Zwei Staffeln — zwei Ziele

Während die Mittelstreckler des MTV den Sieger schlagen wollen, möchte das Scheiner-Team „Run 4 Fun“ vor allem Spaß haben

Ingolstadt (mtn) Ungeduldig trippelt Jakob Schätzle auf der Stelle. Immer wieder stampft er auf den Boden und lässt dabei für keine Sekunde die Kurve aus den Augen, die einen Läufer nach dem anderen ausspuckt. Endlich erspäht er die Nummer 41 auf dem Trikot seines Freundes Jan-Niklas Maciolek. Jakob springt ihm entgegen, feuert ihn an und reißt ihm den Staffelstab aus den Händen. Ein kurzer Antritt und die Wechselzone liegt hinter ihm. Die lange Schlange der Halbmarathonläufer hat ihn verschluckt.

Mehr als die Hälfte der Strecke liegt noch vor Jakob und seiner Schülerstaffel und das am Samstag, dem heißesten Apriltag seit Jahrzehnten. Bereits eine Stunde vor dem Rennen warnt Elke Eberhard, Lehrerin am Christoph-Scheiner-Gymnasium, ihre Schützlinge vor der Hitze: „Holt euch einen Schwamm und macht euer Gesicht nass!“ Jan-Niklas nimmt sich diesen Ratschlag sehr zu Herzen und bewirft schon lange vor dem Start seine Schulkameraden mit dem nassen Schwamm. Die Schüler müssen noch eine Stunde warten und aufpassen, dass sie in der Hitze nicht austrocknen.

Jakob und Jan-Niklas sind in der achten Klasse und Teil derselben Staffel: Zusammen mit Maximilian Weinzierl, Fabian Gmelch, Niklas Fiedler und Markus Heiduk stellen sie die Mannschaft „Run 4 Fun“ des CSG. Sie alle stehen in regelmäßigen Abständen auf der 21,1 Kilometer langen Strecke. „Es dauert ungefähr eine halbe Stunde, bis ich dran bin“, rechnet Jakob vor, als der Startschuss zum zwölften Halbmarathon auf der Konrad-Adenauer-Brücke ertönt.

Er hat recht: Nach einer Viertelstunde übergibt Maximilian den Stab an Jan-Niklas und fällt erschöpft ins hohe Gras. „Hat irgendwer was zu trinken?“ Jakob reicht ihm eine Flasche, die Maximilian in großen Schlucken beinahe leer trinkt. Die beiden schweigen und blicken zu Dominik Lang vom MTV Ingolstadt. Der hatte es geschafft, den Staffelstab vor den Favoriten bei den Erwachsenen zu übergeben. Es sieht ganz so aus, als wollte die MTV-Staffel ihre Drohung wahr machen, eher als der Sieger des Halbmarathons ins Ziel zu kommen.

Allerdings bleibt nicht lange Zeit, um zu plaudern, denn schon kommen die Läufer zur zweiten Wechselzone. Jan-Niklas schickt Jakob auf die Strecke und drängt sich durch die wartenden Läufer. Seine Brust hebt und senkt sich, während er nach Luft pumpt. Er macht einen zufriedenen Eindruck: „Das passt schon. Der von der MTV-Staffel ist mir zwar schon bald entgegengekommen, aber das sind ja alles Spitzenläufer.“ Ähnlich geht es Maximilian, der sich beklagt, dass ihn ein Mädchen von der DJK Ingolstadt überholt hat. „Aber ich hab ja heute schon Fußball gespielt“, sagt er und beißt grinsend in eine Banane.

Im Zielbereich gibt es anschließend Wassermelonen und Getränke für die beiden. Es dauert noch ein paar Minuten, bis die ersten Läufer das Ziel erreichen und zur Überraschung der Zuschauer sind es die Jungs von „MTV and Friends“. Damit ist eine Staffel das erste Mal in der Geschichte des Ingolstädter Halbmarathons in einer Zeit von 1:10,52 Stunden schneller als der Sieger des Laufes.

Maximilian und Jan-Niklas drängen sich an die Absperrungen, ihre Blicke suchen Markus, den Schlussläufer. Mit letzter Kraft überquert er nach exakt 1:25,53 Stunden die Ziellinie und reißt den Staffelstab in die Luft. Vor lauter Freude übersieht er seine Kollegen und rennt an ihnen vorüber, doch Maximilian und Jan-Niklas hält sowieso nichts mehr an ihren Plätzen.

Jubelnd laufen sie zu ihrem Freund und beglückwünschen sich gegenseitig zu ihrem zehnten Platz von mehr als siebzig an den Start gegangenen Staffeln. Sie haben sich die Gutscheine fürs Schwimmbad die jeder Teilnehmer erhält, redlich verdient.