„Wie stellst du dir das vor?”

Reinhard Brandl diskutierte mit Scheiner-Schülern über Kinderrechte und das G8

Von Jessica Roch

Ingolstadt (DK) Am kommenden Sonntag feiert Unicef den Tag der Kinderrechte. Aus dem Anlass kamen der Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl (CSU) sowie drei Mitarbeiterinnen von Unicef gestern an das Scheiner-Gymnasium. Sie sollten Fragen von Zehntklässlern beantworten. Die Schüler hatten sich vorher mit den Lehrern Fragestellungen überlegt. Das zeigte Wirkung, denn nach kurzer Aufwärmphase flogen dem Politiker die Fragen um die Ohren. Anfangs ging es noch um Kinderrechte in Entwicklungsländern, bald mündete das Gespräch aber in einer Diskussion über das G8.

Max: Inwiefern unterstützt die CSU die Projekte von Unicef?

Reinhard Brandl: Nicht nur die CSU, sondern die ganze Bundesregierung unterstützt Unicef. Doch besonders in Deutschland setzen wir uns für Kinder ein. Wir haben mitgewirkt, dass das Bildungspaket und das Bundeskinderschutzgesetz beschlossen wurden.

Max: Gut, aber was wird konkret im Ausland, in Entwicklungsländern getan?

Brandl: Für Afghanistan haben wir Geld zur Verfügung gestellt. Damit wurden Schulen gebaut, die Wasserversorgung verbessert und die Landwirtschaft vorangetrieben.

Sebastian: Und was machen die Politiker, die diese Länder regieren? Setzen die sich für Kinderrechte ein, oder sind die ihnen egal?

Brandl: Alle Regierungen, bis auf die USA und Somalia, haben die Kinderrechtskonvention unterschrieben. Aber die Politik in armen Ländern trifft auf Probleme wie Hungersnöte oder Bürgerkriege. Darum unterstützt Unicef die Regierungen dabei, die Situation für Kinder im Land zu verbessern.

Max: Wenn wir schon beim Thema Kinderrechte sind - wie kann es sein, dass unsere Regierung einfach ein G8 einführen kann, ohne die Meinung der Betroffenen zu beachten?

Brandl: Wie stellst du dir das vor, wen hätte man da befragen sollen, Eltern?

Die Schüler zusammen: Na, uns Schüler, uns betrifft es doch!

Brandl: Es war damals so, dass alle Bundesländer auf das G8 umgestiegen sind. Bayern machte mit, damit die Schüler wettbewerbsfähig bleiben.

Max: Aber es heißt doch, wir in Bayern lernen am meisten. Dann hätte man aus unserem bayerischen Lehrplan am meisten rausstreichen müssen.

Brandl: Klar ist der Lehrplan streng, aber in Bayern sind wir doch stolz auf unser Abitur!

Benedikt: Stolz?! Der Lehrplan ist zu voll, immer mehr fliegen durch - wir sind überfordert!

Brandl: Ich habe in Frankreich studiert, da waren meine Kommilitonen meist drei Jahre jünger. In Deutschland gab es damals einen Wettbewerbsnachteil, den man durch das G8 verbessern wollte.

Benjamin: Das hilft mir aber nichts, wenn ich in Bayern ein Abitur mit 2,0 habe und jemand aus Bremen hat einen Schnitt von 1,5, weil deren Stoff leichter ist. So jemand schnappt mir dann doch den Studienplatz weg.

Brandl: Nicht zwingend. Jede Uni hat gewisse Eigenverantwortung bei der Auswahl. Manche gewichten bei bayerischen Schülern die Noten weniger streng. Ich versteh euch schon. Ich werde eure Wünsche weitergeben.

Julian: Bei den Piraten hätten wir über sowas wie das G8 im Internet abstimmen können. Sie gewährleisten als Einzige wirklich Demokratie.

Brandl: Ich bin gegen Diskriminierung. Würden wir solche Beschlüsse über das Internet entscheiden, wären alle ohne Anschluss außen vor.

Lukas: Manchmal sollte man die direkte Demokratie zurückstellen und Leute entscheiden lassen, die wirklich Ahnung von etwas haben.

Brandl: Das finde ich auch. Manche Entscheidung müssen wir Politiker treffen und dann natürlich dafür geradestehen.