Wie realistisch sind Benno und Bella Block?

Scheiner-Gymnasiasten hinterfragen die wirkliche Arbeit eines Kriminalkommissars

Ingolstadt (DK) Wir alle kennen und mögen sie: Benno, den dicken Bullen von Tölz, die Wodka liebende Bella Block und die ruppigen Tatort-Kommissare. Doch wir fragen uns: Ist das auch in Wirklichkeit so? Gibt es wirklich unhöfliche Kommissare mit unfehlbarer Intuition?

Um das zu klären, hat die Klasse 8c des Christoph-Scheiner-Gymnasiums Ingolstadt im Rahmen des KLASSE!-Projekts den Kriminalhauptkommissar Reinhard Brüderle zur Realität von Krimis und zum Polizeialltag interviewt.

Da Benno, der Bulle von Tölz eigentlich etwas zu dick für den Polizeidienst erscheint, gingen die Fragen zuerst in Richtung Qualifikation und Ausbildung, woraufhin Reinhard Brüderle schmunzelnd meint: „Man muss zwar in der Ausbildung den 3000-Meter-Lauf absolvieren und Bankdrücken, aber mit 27 Jahren ist man Beamter auf Lebenszeit und somit Dauerpolizist.” Allgemeine Voraussetzungen sind ein guter „Quali” mit abgeschlossener Berufsausbildung, mittlere Reife oder Abitur (letzteres hatten 60 Prozent im vorjährigen Einstellungsseminar). Dann startet man bei der Bereitschaftspolizei und kann sich danach über die Schutzpolizei zur Kriminalpolizei bewerben und sich dort auf ein gewisses Kommissariat spezialisieren.

Aber Eigenbrötler, wie es viele Tatort-Kommissare sind, sind undenkbar. Reinhard Brüderle ergänzt: „Dass außerhalb der Dienstzeit in Häuser von Verdächtigen eingebrochen wird, um Beweise zu sammeln, ist auch Fiktion.” Er meint ernst: „Das Eindringen in fremde Häuser ist nur bei ,Gefahr im Verzug’ möglich, also wenn bei Untätigkeit eine Person Schaden nehmen würde, und selbst dann muss alles begründet werden.” Sollte jemand gegen einen Polizisten Anklage erheben, dann übernimmt das eine andere Dienststelle und ein „normaler” Richter. Sonderregelungen gibt es nicht.

Polizisten dürfen auch nicht bei Verhören tätlich werden, so wie Fritz Dellwo in der Sendung Tatort-Frankfurt. Ebenso betont der Kommissar die Gefährlichkeit von den im Film häufig vorkommenden Undercover-Einsätzen, die unter höchster Geheimhaltung nur vom Bundeskriminalamt (BKA) durchgeführt werden. Da wird den Agenten auch eine extra Biografie geschrieben, und sie dürfen, wenn nötig, Alkohol trinken im Gegensatz zu normalen Polizisten. In deren Dienstzeit herrscht nämlich heutzutage Alkoholverbot, und eine Vermischung des Dienstlichen mit dem Privaten ist auch tabu. So ist es undenkbar, dass man, wie die Berliner Tatort-Kommissarin, während der Ermittlung ein Baby versorgt.

Allgemein sind kleine Fälle viel häufiger als Morde und Gewaltverbrechen. In Ingolstadt gibt es jährlich etwa 20 Tötungsdelikte. Am häufigsten sind Einbrüche, Körperverletzungen und Diebstähle. Sehr selten kommt es zu Schießereien und Kampfszenen, wie sie am Ende von fast jedem Krimi vorkommen. „Da ist aber auch die Gefährdung für die uniformierten Kollegen am höchsten, da die als Erste eintreffen”, fügt der Polizist hinzu.

Sollte es dann wirklich zu einer Schießerei oder sonstiger Gewalt gegenüber Polizisten kommen, ist danach psychologische Hilfe notwendig und man kehrt nicht einfach ins Büro zurück und tut so, als ob nichts gewesen wäre. „Allerdings gab es bisher zu wenig Personal dafür: vier Priester und zwei Psychologen”, meint Brüderle. Mittlerweile wurden diese Stellen jedoch aufgestockt. Diese Hilfe ist allerdings nicht bei den im Krimi häufigen Morddrohungen nötig, die würden meistens ignoriert oder verfolgt. Ebenso werden Bestechungsversuche im Dienst verfolgt und bestraft. Die reelle Bedrohung von Beamten ist also weit geringer als im Film, auch wenn sie zweifellos vorhanden ist.

Dennoch ist nicht alles im Krimi erfundene Fiktion. Manches, wie zum Beispiel das Vorkommen von Undercover-Einsätzen, liegt näher an der Realität als gedacht. Allerdings gibt es doch glücklicherweise einen entscheidenden Fakt, der nicht stimmt: Im Krimi wird ein Großteil der Fälle allein dank des grandiosen Spürsinns der Kommissare gelöst, was in Wirklichkeit nur bei einem geringen Teil der Fälle zutrifft. Da führt das Vermittlungsverfahren meistens über Vernehmungen, Hinweise und die Spurensicherung relativ schnell zur Aufklärung.

Allerdings wäre ein schöner Krimi doch auch nicht mehr das Wahre, wenn er dank DNS-Analyse schon nach 20 Minuten zu Ende wäre. Somit können wir doch mit dem Spürsinn und der Intuition von Benno, Bella und Co. Ganz zufrieden sein, verhelfen sie einem guten Krimi doch zu Spannung und einem dramatischen Höhepunkt.

Frederic Schlackl, Klasse 8c
Christoph-Scheiner-Gymnasium Ingolstadt