Vom Überleben hinter der Front

Kriegsfotograf Till Meyer zeigt Bilder und Texte im Christoph-Scheiner-Gymnasium - zur Eröffnung kam er selbst

Ingolstadt (DK) Krieg ist laut. Schüsse, Schreie, Fernsehnachrichten. Die Welt horcht auf. Irgendwann sind alle Patronen verschossen, die Schreie verstummt, die Kamerateams abgezogen. Doch der Krieg geht weiter. Leise. In den Köpfen, in den Träumen, in den Herzen. Abseits der Schlachtfelder. - So schildert der Bamberger Fotograf und Journalist seine Eindrücke, die er über 14 Jahre in Kriegs- und Krisengebieten auf der ganzen Welt gesammelt hat. Davon erzählt er in seiner Ausstellung mit dem Titel „Abseits der Schlachtfelder”, die noch bis Freitag im Erweiterungsbau des Christoph-Scheiner-Gymnasiums zu sehen ist.

Elf Schicksale aus elf Ländern sind in Fotos und Texten dargestellt. Elf Menschenleben, die der Krieg für immer verändert hat. Elf Menschen, die den Krieg überlebt haben und nun trotzdem mit ihm weiterleben müssen. „Denn Krieg kann man beenden, aber nicht besiegen”, sagt Meyer. „Betrachtet man die schlichten Schwarzweißfotos der Porträtierten, sieht man: Der Krieg ist in ihnen. In ihren Augen, in ihrem Lächeln.”

Von 1996 bis 2010 war Meyer als Journalist oder als Delegierter des Roten Kreuzes unterwegs. Er hat Menschen getroffen, die eines verbindet: Der Krieg hat ihnen etwas genommen: Gliedmaßen, geliebte Menschen, Hab und Gut. „Sichtbar und unsichtbar sind die Wunden, die die Zeit nicht heilen kann”. Sichtbar, wie bei Mau Sauy aus Kambodscha, der eine Mine das rechte Bein abgerissen hat. Oder wie bei Onufriy Dudok aus der Ukraine, den eine verblassende Tätowierung auf dem linken Unterarm an seine Jugend in einem KZ der Nazis erinnert. Unsichtbar, wie bei Barry Romo aus den USA, der im Vietnamkrieg sechs Menschen tötete, deren Schreie ihn bis heute nicht schlafen lassen.

„Wer den Krieg nie erlebt hat, nie seine Folgen zu spüren bekommen hat, der vergisst ihn nur allzu leicht”, sagt der Fotograf. „Weil Krieg eben leise ist und oft weit weg.” Gegen dieses Vergessen arbeitet er. Zur Ausstellung „Abseits der Schlachtfelder” hat Meyer ein gleichnamiges Buch veröffentlicht.