„Sehr froh, dass es jetzt wieder weitergeht“

Neustart des Eichstätter Kammerorchesters unter dem neuen Dirigenten Georg Hanauska

Eichstätt (chl) Die „Simple Symphony“ von Benjamin Britten liegt auf den Notenpulten, gefordert ist gerade ein „Fortissimo", das die Musiker im Probenraum am Willibald-Gymnasium zunächst recht zaghaft angehen. Doch Georg Hanauska hat Geduld: „Habt keine Angst vor falschen Tönen.“ Den beiden Cellisten Judith Hertle und Dieter Pasiziel legt er nahe: „Spielt, als ob ihr zu viert wäret.“ Der Neustart des Eichstätter Kammerorchesters läuft gut an. Auch die zweite Probe unter dem neuen Leiter Georg Hanauska nach zwei Jahren Pause gelingt.
Am 27. September hatte sich der 57-Jährige im Kulturausschuss vorgestellt und dabei städtische Unterstützung zugesagt bekommen (wir berichteten). Damit war klar: Das Eichstätter Kammerorchester, dessen Leitung Hans Drechsler nach 41 Jahren vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen hatte abgeben müssen, lebt weiter.
„Ich bin überaus glücklich darüber“, sagt Drechsler gegenüber dem EK. Hanauska war sein Wunschnachfolger. Er sei als Schulmusiker, als Leiter des Orchesters am Scheiner-Gymnasium und als langjähriger Musiker des Eichstätter Kammerorchesters die erste Wahl, freut sich Drechsler, und er bemerkt erfreut: „Hanauska war ja schon mein Schüler.“ Daran erinnert sich der neue Orchesterchef selbst auch sehr gerne: Als Gymnasiast am WG genoss er schon den Unterricht von Drechsler, und mit 16 Jahren trat er in das Kammerorchester ein, dem er seit 1971 angehört. „Der Drechsler hatte ja einen wunderbaren, unvergleichlichen Führungsstil“, schwärmt Hanauska. „Den kann man nicht nachahmen.“ Anweisungen wie „spielen sie das mit turnschuhhafter Besessenheit“, oder „das klingt wie ein Kuhstall am Morgen“, bleiben unvergessen.
Hanauska wird seine eigene Bildsprache da wohl erst noch entwickeln müssen. Obwohl: Als Leiter des Ingolstädter Schulorchesters am Scheiner-Gymnasium ist er im Animieren und Motivieren von Musikern schon erfahren.
Und bei den Musikern des Eichstätter Kammerorchesters muss er ja nicht bei Null anfangen. Im Ensemble finden sich zum Neustart viele Musikerinnen und Musiker aus Drechslers Zeiten nun neu zusammen.
Darunter Bratschist Georg Hanauska senior, der das Ensemble 1960 mit Sepp Rubenberger gegründet hatte und überaus stolz und glücklich ist, dass sein Sohn nun die Leitung übernommen hat: „Das hätte ich ja nie zu träumen gewagt“, aber auch die schon dritte Generation Hanauskas mit Lukas (17) und Dominik (15), „darüber freue ich mich als Opa gscheid!“
Auch Bassistin Erika Schiekhofer (72) ist „sehr froh, dass es jetzt wieder weitergeht“. Dazu kommen eine Handvoll neuer Musikerinnen wie Antonia Bernecker (15), die auch am Gabrieli-Gymnasium im Schulorchester Geige spielt: „Ich habe davon in der Zeitung gelesen“, sagt sie und setzt sich zur ersten Geige, die an diesem Probenabend mit ihr und den beiden Hanauska-Buben sehr jung daherkommt.
„Ein Schwerpunkt des Kammerorchesters war es ja immer schon, auch die Jugend zu fördern. Wir waren als Jugendliche auch sehr dankbar, dass wir mitspielen durften“, sagt der neue Orchesterchef, und meint mit „wir“ auch seinen ehemaligen Mitschüler und -spieler Stefan Reil, der inzwischen ja das Ingolstädter Kammerorchester leitet und sich seine ersten Sporen ebenfalls in diesem Ensemble verdient hat.
Für das Programm des ersten Konzerts im nächsten Jahr ist ein Beitrag schon gesetzt: Haydns D-Dur Klavierkonzert mit Hugo Seebach als Solist. Zum Konzertabschluss kann sich Hanauska dann durchaus etwas Leichteres, Gefälligeres vorstellen; ob wirklich von Britten, ist noch offen, aber wohl schon etwas Britisches.
Und auch die Eichstätter Komponisten sollen im Eichstätter Kammerorchester immer wieder zur Geltung kommen: „Anton Fils zum Beispiel galt als einer der besten Sinfonienschreiber, vielleicht ist da etwas dabei für uns, oder auch Simon Mayr.“
Für die Musiker selbst und für das Publikum verspricht Georg Hanauska: „Da gibt es noch viel zu entdecken.“