Schwungvolle und mitreißende „Rap-Messe”

Schüler-Tanzprojekt zur Musik von Franz Hummel im Rahmen des Festivals „Credo 2007” in der Matthäuskirche

Von Heinz Zettel

Ingolstadt (DK) Vieles traf bei der Uraufführung von Franz Hummels „Rap-Messe” zusammen, was eigentlich unvereinbar erscheint: Da wurde der konventionelle lateinische Messtext von skandierten deutschen Sätzen überblendet, da endete nach Kyrie, Gloria und Credo die Komposition mit einem furiosen Halleluja, und da wurde diese Messe durch eine Tanzinszenierung um eine weitere Dimension bereichert.

Die vom Publikum in der voll besetzten Ingolstädter Matthäuskirche begeistert aufgenommene Uraufführung der Hummel-Messe war ein Triumph des Disparaten, eine glückliche Verbindung und Verschmelzung von Gegensätzen, die die Zuhörer unmittelbar mitriss.

Als Fortführung des überaus erfolgreichen Schüler-Tanzprojektes „Romeo und Julia” hatte Gudrun Rihl die getanzte Messversion in der Choreografie von Susan Oswell mit Schülern der Hauptschulen an der Lessing- und Herschelstraße sowie des Scheiner- und Reuchlingymnasiums in die Vorstellungsreihe Credo.2007 der evangelischen Kirche integriert. Schon allein diese Zusammenarbeit von Schülern verschiedener Schulen und Milieus gab diesem Projekt einen besonderen Stellenwert. Susan Oswell schaffte es wiederum mit bewundernswerter Hingabe, aus diesen so disparaten Voraussetzungen eine Einheit zu bilden, die die in gleicher Weise bunte, facettenreiche Choreografie aus unterschiedlichsten Elementen brillant umsetzte.

Die getanzte Messe bebilderte keine Handlung, sondern deutete Assoziationsräume an und ließ Platz für individuelle Reflexion und Interpretation.

Franz Hummel hat für diese Messe eine packende Musik geschaffen, die sich kongenial mit der Tanzintention von Susan Oswell trifft.

Der Kammerchor Ingolstadt unter der Leitung von Reinhold Meiser (der auch die gesamte musikalische Verantwortung für den Abend trug) sowie die Chorsolisten Karin Hartl (Sopran) und Klaus Hopp-Wiel (Bass) bewältigten die bei aller Eingängigkeit höchst komplexe Partitur auf sehr beachtlichem Niveau.

Den quasi orchestralen Rahmen schufen die beiden fabelhaften Pianistinnen Irma Issakadze und Nino Gurevich, die an den zwei Flügeln ihren aberwitzigen Part (den selbst der Meisterpianist Franz Hummel als „sauschwer” bezeichnet) unglaublich differenziert darboten.

Nach dem äußerst schwungvollen Kyrie und Gloria, dem leicht schrägen Credo-Einstieg und ruhigeren Passagen im Folgenden setzten Tanz und Musik im langen Halleluja-Finale zum großen Höhepunkt an. Zusammen mit der sehr präsenten Tanzsolistin Conny Friedl vom Institute of Dance Arts in Linz, den zwei Dutzend Schülerinnen und einem Schüler, gelangen dem Chor und den Pianistinnen in Hummels Halleluja ein überwältigendes Schlusstableau, das bis auf einen kurzen Moment wie im Rausch dahinjagte.

Die auf die Lebenswelt der Schüler abzielenden Rap-Texte - auf verschiedene Sprecher verteilt und akustisch oft schwer zu verstehen - wurden bei dieser Aufführung von der Macht der Musik und Tanzimpressionen in den Hintergrund gedrängt und erwiesen sich, wenn nicht unbedingt als überflüssig, doch als verzichtbar.

Am Ende feierte des Publikum alle Beteiligten mit lautstarkem Applaus und zeigte sich angesteckt von der Freude dieses Abends, der scheinbar mühelos unterschiedlichste Elemente zu einem mitreißenden Ganzen vereinte.