Persönlichkeit stark gefragt

CSG-Projekt zu künftigen Anforderungen

Von Norbert Schmidl

Ingolstadt (DK) „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir”, lautet ein Sprichwort. Nur: Was fordert „das Leben” von künftigen Schulabgängern? Interviewerteams des Christoph-Scheiner-Gymnasiums (CSG) haben nachgefragt.

Zehn Schüler-Lehrer-Tandems wollten es genau wissen und haben deshalb - von der Audi-Akademie in Interviewtechniken geschult - 33 ausführliche Gespräche mit Meinungsbildnern und Arbeitgebern der gesamten Region 10 geführt. Die Befragten kamen aus Industrie (8), Dienstleistung und öffentlichen Einrichtungen (12), Handel und Handwerk (5) sowie von Verbänden (8). Nach gut einem Jahr Arbeit liegen nun die Ergebnisse des Projekts „Zukunft(s)bewegt” vor - in einem 200-seitigen Berichtsband.

„Was befindet sich in zehn Jahren in den Schultaschen?” lautete etwa eine der Fragen, die Schulleiter Peter Bergmann, CSG-Lehrer und Projektkoordinator Gerhard-Georg Krainhöfner sowie die Interviewer am Montagabend bei einer Auswertungsveranstaltung in Ingolstadt beantworteten. Den Laptop halten dabei viele der Befragten für selbstverständlich, aber - Schüler aufgepasst - Kopfrechnen und praktisches Tun dürfen dennoch nicht auf der Strecke bleiben. Dass die Meinungsbildner bei den Fremdsprachen (perfektes) Englisch für unabdingbar halten, überrascht nicht. Schon eher, dass sie an zweiter Stelle Spanisch und vor allem an dritter Stelle Chinesisch nannten.

Doch Fremdsprachen sind zwar wichtig, aber für sich alleine bei weitem nicht ausreichend. Künftige (Hoch-)Schulabgänger müssen über weit mehr Fähigkeiten verfügen, wenn sie im späteren Berufsleben erfolgreich bestehen wollen. So sind gute Computerkenntnisse gefragt und auch einen längeren Auslandsaufenthalt sehen viele Arbeitgeber als Vorteil für Bewerber. Für wichtig erachtet werden zudem die Kommunikationsfähigkeit des jungen Menschen, seine Gesamtpersönlichkeit, Kontakte und Netzwerke, die er sich aufgebaut hat, sowie seine Umgangsformen. Letztere wurden im Übrigen bei der heutigen Jugend des öfteren beklagt.

Nicht nur deshalb sollten die Schüler selbstkritisch Stärken-Schwächen-Analysen durchführen, empfahl Alois Kauer von der Audi-Akademie. Und Krainhöfner würde bei den Abgängern gerne „Persönlichkeit statt enzyklopädisches Wissen” sehen. Lebenslanges Lernen, eine gute Allgemeinbildung und keine (zu frühe) Spezialisierung passen schließlich ebenso in die Wunschvorstellungen der meisten Befragten.

Damit die Schüler möglichst gut in das Anforderungsprofil hineinwachsen, sind aber auch die Eltern gefragt. Sie sollten im Idealfall als Moderatoren und Motivatoren auftreten und ihrem Nachwuchs „als Entscheidungshelfer statt als Entscheidungserzwinger” zur Seite stehen und dabei Werte, Normen und soziale Kompetenzen vermitteln.

Damit die Auswertungsveranstaltung nicht zugleich die Abschlussveranstaltung von „Zukunft(s)bewegt” war, haben sich Arbeitsgruppen in Workshops bereits am Montagabend an Vorschläge zur Umsetzung der Ergebnisse im schulischen und außerschulischen Leben gemacht. Unabhängig davon fiel „am Scheiner” bereits am Montag der Startschuss für den PC-Schein für Fünftklässler - ein Beitrag zur vielfach geforderten Verbesserung der IT-Kompetenzen. Computerschreiben soll in diesem Bereich ein weiterer Schritt werden. Außerdem sollen die Schüler bis zum Abitur beispielsweise ihre Methodensicherheit - etwa bei Präsentationen - verbessern.

In einem anderen Feld soll - Thema: China - zwar nicht Mandarin gelernt, aber doch verstärkt Einblick in fernöstliche Kulturen gewährt werden. Weiter angedacht ist auch ein vier- bis sechswöchiges „internationales Praktikum” für etwa eine Handvoll der Jahrgangsbesten.

Dass diese und noch viel mehr Projekte, die aufgrund der Umfrageergebnisse angepackt werden (müssen), „sehr anspruchsvoll” sind, wollte Krainhöfner nicht verhehlen. Aber die Zukunft hat ja gerade erst begonnen.