Nur noch die Köpfe qualmen

Ingolstadt (DK) Jedes Schulgelände ist seit diesem Schuljahr per Gesetz eine rauchfreie Zone. Die gilt nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer. Pauker und Pennäler befriedigen nun ihre Sucht vor der Schule – oder in der Hausmeisterwohnung.

Kinder greifen nicht zu Zigaretten, weil sie ihnen so gut schmecken, "sondern wegen des Gruppendrucks und weil sie es von jemandem abschauen", erklärt Dr. Ursula Becker, Ärztin am Ingolstädter Gesundheitsamt. Gerade weil Lehrer und ältere Schüler Vorbildfunktion hätten, müssten sie auf die Jüngeren Rücksicht nehmen und in Zukunft auf das Rauchen in der Schule verzichten. Dadurch soll das Einstiegsalter des Zigarettenkonsums erhöht werden oder im besten Fall sogar verhindert werden, dass junge Menschen überhaupt damit anfangen.

Doch auch die Lehrer sind betroffen: Bisher standen für sie an vielen Schulen Raucherzimmer zur Verfügung. Solche Séparées gibt es nun freilich nicht mehr. Wo also in Zukunft in Ruhe die Sucht befriedigen?

Diese Frage stellt sich an der Ungerneder-Grundschule erst gar nicht: "Ich habe das Glück, dass wir fast nur Nichtraucher an der Schule haben", sagt die Konrektorin Gertraud Kubis. Der einzige Raucher unter ihren Kollegen stecke sich seine Glimmstängel nur an , wenn er unterwegs ist.

Der Direktor des Scheiner-Gymnasiums, Peter Bergmann, hat da nicht so viel Glück mit seinen Lehrkräften. Die Raucherecke neben dem Lehrerzimmer war früher in den Pausen immer gut besucht. Natürlich auch, weil zwischen den Rauchschwaden fleißig Neuigkeiten ausgetauscht worden sind, was angeblich sogar militante Nichtraucher anzog.

"Heute ist das soziale Leben in dem Raum total eingeschlafen", berichtet der Deutschlehrer Willi Plankl. Anstatt des Zigarettenautomats hängt seit diesem Schuljahr nur noch ein tristes Foto zur Erinnerung an der vergilbten Wand.

Einige Lehrer kommen trotzdem noch in den Pausen her. "Ich finde das Verbot richtig gut, denn es gibt keinen Zweifel daran, dass Rauchen ungesund ist", sagt Geschichtslehrer Josef Kubasta unbeeindruckt von der Leere um ihn herum. Mathelehrer Josef Pickel erzählt schmunzelnd , dass er in den siebziger Jahren gerade Schulsprecher am Reuchlin-Gymnasium war, als auf Antrag des Schulforums eine Raucherecke eingerichtet wurde: "Damals haben wir aber nicht an die Gesundheit gedacht, da standen mehr politische Aspekte im Vordergrund."

Willi Plankl findet das Rauchverbot gut, obwohl er selbst raucht: "Der Zigarettenkonsum schränkt sich ein, wenn sich einem nicht so viele Gelegenheiten bieten." Trotzdem sei es schade, dass die rauchenden Oberstufler nun endgültig vom Pausenhof vertrieben werden. Die dürfen nämlich im Gegensatz zu den Jüngeren das Schulgelände verlassen und stehen nun in Eintracht mit den Lehrern qualmend im Park vor der Schule: Pennäler vorne, Pauker hinten.

Nun gibt es in der neuen Verordnung des Kultusministeriums ein kleines Schlupfloch, das direkt in die Hausmeisterwohnung führt: Diese ist nämlich Privatgelände und deswegen nicht obligatorisch rauchfrei. Wenn ein Lehrer auf Nikotinentzug jedoch nun denkt, den Hausmeister in den Pausen ab sofort öfter zu besuchen, um ihn in blauen Dunst zu hüllen, der hat die Rechnung ohne den Hausherrn gemacht. Denn da ist Winni Werthner strikt: "Bei mir in der Wohnung wird generell nicht geraucht!"