Nanotechnik an der Fensterscheibe

Scheiner-Gymnasium testet neue Methode gegen Feinstaub – mit vielversprechendem Erfolg

Ingolstadt (DK) Eine Reduzierung der Feinstaubbelastung in Klassenzimmern ist FW-Stadtrat Gerd Werding schon lange ein Anliegen. Nach einem Testlauf im Ingolstädter Scheiner-Gymnasium hat er jetzt eine Methode vorgestellt, die bald in allen Schulen zum Einsatz kommen könnte.

Wurde Werding anfangs für sein Anliegen belächelt, ist das Thema mittlerweile zur Chefsache geworden. Oberbürgermeister Alfred Lehmann und dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck stellten gestern mit ihm die Ergebnisse eines Versuchs vor, der am Christoph-Scheiner-Gymnasium gestartet worden war. Insgesamt wurden drei verschiedene Methoden getestet, wie die Feinstaubbelastung – die teilweise doppelt so hoch war wie der zulässige Grenzwert im Außenbereich – wirksam reduziert werden kann.

Feuchtes Wischen in den Klassenräumen hat dabei in Sachen Feinstaub kaum Wirkung gezeigt. Filteranlagen sind teuer und wartungsintensiv. Im Extremfall können sie sogar selbst Keime freisetzen. Die ideale Lösung scheint derzeit ein Verfahren zu sein, das aus der Automobilindustrie kommt. Sepp Mißlbeck hat in dieser Sache einen Kontakt zu Ingenieuren von BMW hergestellt, die eine relativ günstige und wirksame Methode entwickelt haben. Eine besondere Beschichtung der Fensterscheiben reagiert auf Sonnen- und Kunstlicht und übt eine elektrostatische Anziehung auf die Feinstaubpartikel aus. Sie bleiben an der Scheibe haften und können nicht mehr gefährlich werden. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens sind die Kosten. Eine Lüftungsanlage schlage pro Klassenzimmer mit rund 17 500 Euro zu Buche, rechnet Mißlbeck vor. Werden alle Fenster eines Klassenzimmers mit dem speziellen Belag besprüht, werden gerade einmal 1000 Euro fällig.

Feinstaub kann Allergien, Entzündungen und sogar Tumore auslösen. Werding weiß, wovon er spricht. Der Mediziner hat in den 1960er Jahren unter anderem in Bergbauregionen Patienten mt Kohlestaublungen behandelt. Laut Werding sterben in Deutschland jedes Jahr 70 000 Menschen an Feinstaub.

Die Belastung mit den unsichtbaren Partikeln ist an den Ingolstädter Schulen nicht höher als anderenorts, dennoch will man das Projekt intensiv vorantreiben. Zunächst soll das Verfahren weiter verbessert werden. In der Testphase ist es gelungen, die Feinstaubbelastung um 25 Prozent zu senken. Werding hofft, dass durch Veränderungen in der Zusammensetzung der Fensterbeschichtung noch bessere Erfolge erzielt werden können.

Die Firma Nanoenergy, die die Methode entwickelt hat, arbeitet dabei eng mit Wissenschaftlern der Universität Salzburg zusammen. Da auch die Autoindustrie großes Interesse an der Technologie hat, werde die Forschung mit Hochdruck weiterbetrieben, so Mißlbeck. „Wir stehen da am Anfang einer interessanten Entwicklung.“

Ob eines Tages tatsächlich alle Schulen der Stadt mit diesem Spezial-Fensterbelag ausgestattet werden, sei dann eine „rein politische Entscheidung“, sagte Werding.

 

Von Johannes Hauser