„Krieg steckt schon im Wörtchen kriegen”

Neues Tanzprojekt für Schüler: Franz Hummels „Rap-Messe” wird am 21. April uraufgeführt

Von Michael Kleinherne

Ingolstadt (DK) „Und wann gehen wir auf Tournee?”, fragt eine Tänzerin laut und unbekümmert, reckt sich grazil und grinst dabei in Richtung Bühne. Dann meint sie noch: „Nein, den Chor, den brauchen wir doch gar nicht.“ Der kann nämlich nicht beim zweiten Termin, und so gibt es heuer nur einen Abend Tanztheater. Das hat die Choreografin den fast 30 Tänzerinnen und dem einen Tänzer gerade mitgeteilt, was ein paar unwillige Buhrufe zur Folge hatte. Doch gleich darauf lachen und feixen die jungen Leute schon wieder, denn gerade haben sie den ersten vollständigen Durchlauf ihres Tanzparts hinter sich gebracht.

„Richtige Talente“

Und jetzt lobt sie Franz Hummel, Komponist der Musik, nach der sie tanzen. Sagt Dinge wie: „Ihr seid viel, viel besser geworden.“ Oder: „Toll, wie ihr euch reinwerft.“ Oder: „Das wird gewaltig, da sind richtige Talente dabei.“ Und: „Ich bin begeistert von euch.“ Aber er warnt auch: „Das Lachen beim Tanzen müsst ihr euch noch abgewöhnen.“ Denn: „Ihr müsst tierisch ernst sein.“ Außerdem sagt er noch: „Lernt eure Texte, seid nicht faul.“ Es wird nämlich auch gesungen auf dem Parkett, oder besser: gerappt. Im schnellen Sprechgesang heißt es dann etwa: „Lasst uns doch in Frieden den leben, lernt verstehen, was wir euch geben.“ Und an anderer Stelle: „Herr, wirk du in unseren Seelen, dass wir uns nicht so zerquälen“, oder: „Krieg steckt schon im Wörtchen kriegen, denn man will mit Diebstahl siegen.“

Blenden wir ein paar Minuten zurück. Da sitzt Tanzchoreografin Susan Oswell zusammen mit Komponist Franz Hummel, Organisatorin Gudrun Rihl von der Stiftung „Jugend fragt“, Kantor Reinhold Meiser sowie ein paar Lehrern und Journalisten auf der Bühne im großen Probenraum der Matthäuskirche. Auf dem hellen Holzparkett davor macht sich das Tanzensemble warm. Es steht die erste Durchlaufprobe an, was bedeutet, dass die Tänzer zum ersten Mal das ganze Stück durchtanzen werden. Das Ensemble besteht jedoch nicht etwa aus professionellen Tänzern, sondern aus jungen Ingolstädter Hauptschülerinnen und Gymnasiastinnen der achten und neunten Klasse, sowie eben Tobias, dem einzigen männlichen Tänzer. Der geht vormittags zur Schule, genau wie die anderen. Und nachmittags wird getanzt. Zumindest geht das so seit Januar.

Einstudiert wird Franz Hummels „Rap-Messe“, die er für die „Credo.2007“-Reihe der Matthäuskirche geschrieben hat. Das Nachfolgeprojekt von „Romeo & Julia“ aus dem vergangenen Jahr steht heuer also in einem religiösen Kontext. Die Arbeit von professionellen Tänzern und Musikern mit Schülern verschiedener Schulformen und mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund folgt dabei dem Vorbild eines Berliner Projektes von 2003, welches im Film „Rhythm is it“ dokumentiert ist. „Der Film lieferte uns damals die Grundidee“, sagt Rihl, „und wie dort wollten wir gerade pubertierende Leute“, denn die seien „zwar anstrengend, aber auch vital“.

Nach den Osterferien ist die Uraufführung der „Rap-Messe“, und dafür wurde in den vergangenen Wochen ausgiebig geprobt. „Das war nach der Schule oft schon sehr anstrengend“, sagt Andrea. Doch jetzt seien sie „immerhin halb fit“, fügt sie ein wenig unsicher lächelnd hinzu. Fragt man sie, wie ihr das Tanzen gefallen habe, antwortet sie: „Na ja, stressig eben“, und strahlt dabei. Über Oswell hört man nur Lob: „Eine Traumlehrerin“ wäre die, sagt Tina, und für Corinna ist sie „wie eine gute Freundin“.

Das liegt wohl auch daran, dass Oswell „keinen Drill“ will. Stattdessen hat sie versucht, „einfach zuzuschauen, wie sich die Sachen entwickeln“. Der Druck auf die Schüler sei so schon „massiv genug“, vor allem, was deren knappe Zeit betreffe. Hummel ergänzt: „Mit einem guten Schüler arbeite ich normalerweise zwei oder drei Stunden, das lässt sich nicht in 45 Minuten pressen.“ Aber so sei sie eben, die „fantasielose Welt der Erwachsenen“. Deswegen habe er versucht, der Sprache der Jugend mit einer Rap-Messe „einen authentischen Ausdruck“ zu geben.

Glaube als Thema

Und was sagen die jungen Leute selbst? Worum geht es in der „Rap-Messe“? Ganz einfach „um den Glauben“, sagt Andrea da, „und um Lebensfreude“. Corinna erklärt: „Wir jungen Leute glauben auch, aber die Erwachsenen glauben anders.“

Die rund 45-minütige Messe soll mit Irma Issakadze und Nino Gurevich an zwei Klavieren und dem Kammerchor Ingolstadt unter Leitung von Reinhold Meiser in der Matthäuskirche aufgeführt werden. Doch bis dahin stehen noch einige Proben an. Nach den Ferien drängt die Zeit dann auch schon, nur noch wenige Tage haben die Tänzerinnen und Tobias dann noch für zwei Bühnenproben und eine Hauptprobe sowie die Generalprobe, das alles schon in Kostümen und mit Live-Musik.

Bloß für Tobias gibt es ein Problem. Der sei zwar „mutig und cool“, wie Anna meint, doch was nutzt das, wenn man sich den Fuß verstaucht. Zwei Tage nach dem Durchlauf ist das passiert. Beim Sport. Susan Oswell erzählt: „Ich konnte als Kind für ein Jahr nicht tanzen, das war schrecklich.“ Da sagt Tobias: „Ich tanze auf jeden Fall“, und humpelt hinüber zur Sprechprobe, der Text muss schließlich auch sitzen.

Franz Hummels „Rap-Messe" kommt am Samstag, 21. April, um 20 Uhr in der Matthäuskirche Ingolstadt zur Aufführung. Karten gibt es in der DK-Geschäftsstelle und im Pfarramt St. Matthäus.