Im Bann eines reizenden Kartenspiels

Lehrer Helmut Schmid ist Deutscher Meister im Bridge

Von Christian Rehberger

Ingolstadt (DK) Wer an das Kartenspiel Bridge denkt, hat gleich ein Kaffeekränzchen voll älterer britischer Damen vor dem geistigen Auge. Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus, wie der Ingolstädter Bridge-Club zeigt, der jetzt sogar einen frisch gebackenen Deutschen Meister in seinen Reihen hat.

Hin und wieder nimmt jeder mal eine künstlerische Pause bei seinem Hobby. Bei Helmut Schmid dauerte sie aber gleich 25 Jahre. Mit 17 hat er Bridge gelernt, während des Studiums das Interesse aber verloren, bevor die Finger im Alter von 48 wieder juckten. Und jetzt, mit 54, ist der Lehrer des Christoph-Scheiner-Gymnasiums kürzlich sogar Deutscher Meister im Mixed-Team geworden. Eine interessante Karriere für den besten Spieler, den der Ingolstädter Bridge-Club derzeit in seinen Reihen hat. Für die Mannschaft von Würzburg spielt er gar in der 2. Bundesliga.

„Bridge hat Suchtpotenzial”, sagt Schmid. Dabei sieht alles am Anfang fürchterlich kompliziert aus. „Wer aber schon mal Karten gespielt hat, der kommt ziemlich schnell rein”, gibt Schmid Entwarnung. Schließlich ist wie bei allen Kartenspielen auch hier das Ziel, mit 13 Karten möglichst viele Stiche zu machen. Allerdings mit einem Partner. Dem Mathelehrer gefällt dabei besonders, dass „der Glücksfaktor nahezu ausgeschaltet ist”. Auch mit einem schlechten Blatt auf der Hand lasse sich durchaus gewinnen.

Alles eine Frage der Taktik - und eine des richtigen Reizens, das ein wichtiger Teil des Spiels ist.

Schmids wiederentdeckte Begeisterung geht gar so weit, dass er eine ganze Latte an Bridgebüchern im Schrank stehen hat, Eröffnungen analysiert und Spielzüge plant, ganz wie beim Schach. Nur wo die Spieler beim königlichen Spiel manchmal stundenlang über einen Zug grübeln, geht es beim Bridge, der Königin der Kartenspiele, geradezu rasend schnell: eine Partie soll laut Regeln gerade mal sieben Minuten dauern.

Alles ist genau reglementiert, doch so steif wie bei einem Kaffeekränzchen britischer Damen geht es beim Ingolstädter Bridge-Club nicht zu. „Das Gesellige ist natürlich sehr wichtig”, sagt Schmid. Bunt gemischt sind die rund 100 Mitglieder des Vereins. Und wer selbst einmal in den Bann des süchtig machenden Kartenspiels geraten will, hat an jedem Dienstag und Donnerstag die Möglichkeit. Dienstags spielt der Bridge-Club im Theaterrestaurant, donnerstags im Ruder-Club. Beginn jeweils 19 Uhr.