"Ich wollte mein Leben zurück"

Ingolstadt (DK) Genau zwei Jahre ist es her, da hingen überall in Gerolfing Plakate von Katja Löser. Das Leben der zweifachen Mutter und Lehrerin hing damals am seidenen Faden: Sie war an Leukämie erkrankt und brauchte dringend eine Knochenmarkspende. So wie jetzt Michael Schels.

Eine Blutstammzellspende ist auch für Michael Schels die einzige Rettung: Am Samstag, 9. November, findet für den beliebten Schulrat eine Typisierungsaktion statt. Katja Löser ruft die Menschen auf, möglichst zahlreich mitzumachen: „Bitte helft!“
Im September 2011, die Schule hatte gerade wieder begonnen, erhielt Katja Löser die furchtbare Nachricht: „Ich hatte mich schon den ganzen Sommer über krank gefühlt und immer wieder leichte Infekte. Bei einer Untersuchung stellte sich dann heraus, dass ich viel zu wenig Leukozyten hatte. Innerhalb von zwei Tagen musste ich ins Krankenhaus.“ Katja Löser litt an einer sekundären Leukämie, die manchmal nach einer Brustkrebsbehandlung auftritt. „Am Tag der Diagnose hat es mich umgehauen, denn ich hatte den Brustkrebs überstanden und dachte, jetzt sei endlich alles rum.“
Statt dessen musste die Frau wieder Chemotherapien und Bestrahlungen über sich ergehen lassen. Die einzige Hoffnung: eine Blutstammzellspende. „Ich hab’ mir aber keine Sorgen gemacht – für mich war es keine Frage, dass es nicht funktioniert. Ich wollte einfach mein normales Leben wieder zurück, so wie es vorher war. Das war mein Ziel.“

Mehr als 21 Millionen Spender sind weltweit registriert – den richtigen zu finden gestaltet sich jedoch so schwierig wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Deshalb ist es auch wichtig, dass sich weiterhin so viele Menschen wie möglich typisieren lassen. „Von meiner Aktion 2011 sind schon mehrere Spender gefunden worden“, erzählt Katja Löser.
Sie selber hatte ebenfalls großes Glück: Am 16. Januar 2012 bekam Katja Löser die rettende Blutstammzellspende. „Ich habe die Transplantation und die Therapien gut vertragen und alles flott hinter mich gebracht. Im März war ich schon wieder zu Hause.“ Es klingt fast so, als wäre das ein Spaziergang. Ist es aber nicht. „Zwei Wochen lang hatte ich überhaupt kein Immunsystem. Da wird man total abgeschottet, zeitweise durfte ich nicht einmal aus dem Zimmer gehen. Am schlimmsten war aber, dass ich meine Mädels nicht sehen durfte. Wir haben uns über Skype unterhalten.“
Nach der Transplantation hatte Katja Löser nicht nur eine andere Blutgruppe als vorher, sie musste auch ein neues Immunsystem aufbauen. „Man muss alle Impfungen wiederholen – Masern, Röteln, Mumps.“ Die ambulante Therapie dauert bis heute an, alle sechs Wochen muss die Gerolfingerin zur Kontrolluntersuchung. Im Großen und Ganzen gehe es ihr gut, sagt sie. Seit Schuljahresbeginn arbeitet die Lehrerin wieder am Christoph-Scheiner-Gymnasium.
Katja Löser erinnert sich noch genau, wie sehr sie die große Hilfsbereitschaft damals rührte. „Sportvereine haben Geld für mich gesammelt, Schüler haben Plakate und Flugblätter verteilt, wildfremde Leute haben bei der Aktion mitgemacht – das hat mich sehr erstaunt.“ Über 750 Menschen ließen sich im November 2011 typisieren. Die 40-Jährige ist zuversichtlich, dass es bei der Kampagne für Michael Schels nicht anders läuft.

Von Suzanne Schattenhofer