„Ich werde leben“

Heute ist die Typisierungsaktion für die leukämiekranke Lehrerin Katja Löser — Schüler, Eltern und Lehrer hoffen auf Spender

Von Katja Tölle

Ingolstadt (DK) „Wir waren noch nie so vereint wie jetzt“, sagt Lehrerin Monika Tefurth. Vermutlich war Einigkeit auch noch nie so wichtig: Das Christoph-Scheiner-Gymnasium sucht für die leukämiekranke Lehrerin Katja Löser einen Knochenmarkspender. Heute kann sich jeder zwischen 18 und 45 typisieren lassen.

„Wir müssen unbedingt einen Spender finden“, sagt Deborah Költzsch. „Unbedingt, wir müssen einfach.“ Die Schülersprecherin verteilt gemeinsam mit ihren Mitschülern in der Innenstadt Flyer. „Helfen Sie Katja“, steht darauf. Schlicht. Eingängig. Einer der Passanten könnte ein passender Spender für Katja Löser sein, deswegen gilt: jeden ansprechen, jeden für die Aktion gewinnen.

„Es ist unglaublich, was die Schule hier auf die Beine gestellt hat“, sagt Monika Tefurth. Sie ist eine der Lehrerinnen, die die Aktion „Helfen Sie Katja“ organisiert hat. In den wenigen Wochen, seitdem Katja Löser im Lehrerzimmer verkündet hat, dass sie wieder - ein zweites Mal - an Krebs erkrankt ist, ist viel passiert. „Zunächst waren wir total erschüttert“, erzählt Tefurth. Man habe sich so hilflos gefühlt, viele Tränen seien geflossen. „Aber dann haben die Schüler, die Eltern, Lehrer, der Freundeskreis und die Schulleitung mit ganz viel Enthusiasmus einen Plan ausgearbeitet, wie wir Katja helfen können“, erzählt die Lehrerin. Und dann wurden Flyer und Poster gedruckt, die Typisierungsaktion geplant, Ärzte dafür gewonnen - die Ärzte sind Eltern von Scheiner-Schülern - es gab viel zu tun. Die Schüler gründeten eine Facebook-Gruppe, um auf die Aktion aufmerksam zu machen, und die einzelnen Stationen in der Turnhalle von der Datenaufnahme über die Blutröhrchen-Verteilung bis hin zur Blutabnahme wurden geplant. Außerdem mussten jede Menge Kuchen gebacken werden - in der Hoffnung, dass darüber auch Spenden zusammenkommen. Denn eine Typisierung kostet die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) 40 Euro. „Wenn etwa 1000 Menschen kommen“, sagt Verena Spitzer vom AKB, „dann müssen wir schon 40 000 Euro aufbringen.“ Es könnten aber deutlich mehr werden. Und die Typisierungen müssen durch Spenden finanziert werden; bisher sind aber nur rund 5000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen (KNR: 22394613, BLZ: 70250150, Kennwort: Hilfe für Katja).

Katja Löser erlebt all dieses Engagement nur aus der Ferne, vom Krankenbett aus. Sie liegt in einer Klinik in Regensburg. „Ich bin total gerührt“, sagt sie. „Es ist einfach Wahnsinn, wie viel Hilfsbereitschaft die Menschen zeigen.“ Das gibt ihr Kraft. Noch mehr Kraft. Denn Katja Löser ist kein Mensch, der sich unterkriegen lässt. „Mir geht es gut“, sagt sie, ohne lang zu überlegen. Sie verträgt die Therapie, hat keine Schmerzen und weiß ihre beiden Kinder beim Vater und den Großeltern gut versorgt. „Das beruhigt“, erzählt sie, fast fröhlich. Und dennoch hat sie Leukämie. Gerade erst hatte sie ihren Brustkrebs überwunden, war wieder gesund, wie sie dachte, da kam der nächste Schlag: Die Chemotherapie hat bewirkt, dass das Knochenmark beschädigt wurde, so sehr, dass nur eine Knochenmarktransplantation ihr Leben retten kann. „Das ist meine einzige Chance, aber ich denke da rational: Heulen bringt nichts“, sagt sie. Und: „Meinen Kindern sage ich immer: Genau wie vor drei Jahren habe ich jetzt auch Krebs. Und genau wie vor drei Jahren werde ich auch jetzt nicht sterben. Ich werde leben.“