"Ich hatte nur Angst vor dem Kyrillischen"

Ingolstadt (hic) Der 18-jährige Alexander Stang ist mit seiner Familie diesen August nur nach Ingolstadt gezogen, um am Christoph-Scheiner-Gymnasium einen Unterricht zu besuchen, der in Bayern fast einmalig ist: Russisch als dritte Fremdsprache. "Es ist für mich eine einmalige Möglichkeit, mir meine Sprachkenntnisse nachweisen zu lassen", sagt der gebürtige Kasache.

Er und seine 20 Mitschüler aus den elften Klassen gehen fünf Mal die Woche in den Russischunterricht von Gabriele Mages, eine der zwei Lehrerinnen für Russisch an der Schule. Sie findet das ungewöhnliche Sprachangebot sehr positiv: "Die Schüler bekommen einen Einblick in einen fremden Kulturraum, der nicht jedem zugänglich ist."

Nach drei Jahren Russisch-Unterricht können die Schüler nun schon recht viel verstehen. Bei der 16-jährigen Theresa Zitzelsberger ist vor allem in diesem April der Knoten geplatzt , als sie an einem Austauschprogramm der Schule mit Moskau teilgenommen hat . " Mir helfen auch die sechs Muttersprachler in unserem Kurs", sagt die Schülerin.

Die Lehrerin lädt immer wieder Russen in den Kurs ein, um die Schüler über Landes kunde zu informieren. Auch Olga Prokopjewa vom Weißen Meer beantwortet geduldig die Fragen der Jugendlichen , als sie die Schule besucht, an der sie vor rund zehn Jahren einmal gearbeitet hat.

Die 16-jährige Carina Braun hatte am meisten Angst vor der Schrift: "Aber nach drei Monaten konnten wir schon auf Kyrillisch schreiben." Wie die meisten in dem Kurs denkt sie, dass Russisch eine Sprache der Zukunft ist und dass man sich durch sie später auf dem Arbeitsmarkt abheben kann.

1985, mitten im Kalten Krieg, wurde Russisch vom Kultusministerium auf Bestreben des damaligen Direktors Rainer Rupp und des Russisch-Lehreres Rolf-Dieter Pohl versuchsweise am Scheiner-Gymnasium eingeführt. Die "Fremdheitsschwelle gegenüber den Kulturen Osteuropas" sollte damit abgebaut werden, wie aus dem damaligen Jahresbericht hervorgeht.

Ein paar Jahre später war bereits die erste Schulpartnerschaft mit der Schule Nummer 13 in Moskau aufgebaut. "Auch die Ingolstädter Städtepartnerschaft mit Moskau resultiert aus dem guten Verhältnis zwischen den Schulen", erklärt der Direktor Peter Bergmann. "Leider ist Russisch an den wenigen Schulen, die es überhaupt in Bayern angeboten haben, in letzter Zeit fast von der Modesprache Spanisch verdrängt worden", sagt Bergmann, der sich für den Erhalt dieses besonderen Unterrichtsfachs an seiner Schule einsetzt.

Nina Satschkina stimmt ihm da zu: " Wir haben das gleiche Problem mit dem Deutschunterricht in Russland." Die Deutschlehrerin aus Sibirien ist über den Pädagogischen Austauschdienst an das Scheiner-Gymnasium nach Ingolstadt geschickt worden. "Bei uns wird Deutsch immer mehr durch Englisch ersetzt."