Geschichte als bunter Reigen

Christoph-Scheiner-Gymnasium feiert

Ingolstadt (DK) Bunt, historisch, kurzweilig, nachdenklich und unterhaltsam – so feierte das Christoph-Scheiner-Gymnasium am Mittwochabend in einem Festakt im Theater sein 150-jähriges Bestehen. Eine abwechslungsreiche Revue garniert mit Musik und Einlagen skizzierte die lange Geschichte der Schule.

Erfreulich kurz und straff hatten zuvor schon die Festredner gesprochen. Langeweile und unruhig auf den Stühlen rutschende Gäste gab es daher nicht. Unter ihnen war auch Johann Raab aus Nürnberg, vermutlich der Älteste im Saal. 1938 hatte er seine Reifeprüfung an der Schule am Hartmannplatz abgelegt. Aus Verbundenheit war er – wie viele andere Ehemalige auch – zu den Feierlichkeiten in seine alte Heimatstadt gekommen.

Direktor Peter Bergmann begrüßte ein „illustres Publikum“, darunter Vertreter aus Politik, Behörden, Wirtschaft und von den Kirchen. Den größten Applaus heimste der frühere Scheiner-Chef Rainer Rupp ein, der die Geschicke des Gymnasiums zwei Jahrzehnte lang geleitet hatte. Nicht unerwähnt blieben die 14 jungen Gäste aus den USA von der Partnerschule in Milwaukee. Sie waren eigens zum Jubiläum angereist und dürften wohl den weitesten Weg gehabt haben.

Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider sprach in seiner Festrede von einer Erfolgsgeschichte des Ingolstädter Christoph-Scheiner-Gymnasiums, das heute ein traditionsreiches, weltoffenes, leistungsfähiges „und höchst erfreuliches bayerisches Gymnasium“ sei. Für seine 1273 Schülerinnen und Schüler sei es bestens für die Zukunft gerüstet. Schneider hob in seinem Vortrag unter anderem die Bedeutung eines "fest verankerten Grundwissens" auch in der heutigen Zeit hervor, um die Informationsflut der modernen Gesellschaft nutzen und vernetzen zu können. Der Minister kündigte an, besonders begabte Schüler in Bayern künftig gezielt fördern und die Ganztagsschule auch an Gymnasien im Freistaat ausbauen zu wollen. OB Alfred Lehmann hatte zuvor bereits die Glückwünsche der Stadt zum runden Jubiläum überbracht. Vor einem riesigen Plakat, das die gesamte Bühnenbreite einnahm und jeden Schüler des Gymnasiums im Einzelporträt zeigte, hob der Oberbürgermeister im Besonderen die Bemühungen der Schule um internationale Verständigung hervor. Ohne das Scheiner-Gymnasium und seinen früheren Direktor Rupp gäbe es die Städtepartnerschaft mit Moskau nicht, sagte er.

Schauspielerische Qualitäten bewies der heutige Schulleiter Peter Bergmann in einer unterhaltsamen Revue, die er zusammen mit zahlreichen Schülern gestaltete. Von den Anfängen der Unterrichtsstätte in der Hohen Schule, als sie noch „Niedere Gewerbeschul“ hieß und gerade einmal 34 Schüler zählte, bis zum modernen Gymnasium skizzierte er die lange Geschichte der Bildungseinrichtung. Mit Überzeugungskraft mimte Bergmann einen seiner legendären Vorgänger im Amt, Anton Killermann, beim „Empfang Seiner Königlichen Hoheit Ludwig den Bayern“ am 4. August 1913. Nicht minder beeindruckend war sein Auftritt als gestrenger „Direx“ Herbert Madle bei einer Rede gegen aufmüpfige Schüler der 68er-Generation. Ein bunter Reigen der Schüler beschloss die mit viel Applaus bedachten Einlagen, bevor eine Auftragskomposition des 25-jährigen Christian Elsässer zum Schuljubiläum zur Aufführung kam.

Die Schülerinnen und Schüler hatten jedenfalls ihren Spaß an diesem bunten Abend. Ob als Cheerleader, Fahnenträger, Hippies, Musiker, im Chor und in Sportgruppen oder als experimentierfreudige Chemielaboranten, die mit allerlei Wässerchen die Farben des Stadtwappens in Reagenzgläsern zauberten – die Freude am Mitmachen war ihnen anzusehen. Nicht zuletzt am Ende auch deshalb, weil Direktor Peter Bergmann allen Teilnehmern am Dienstag zwei Freistunden versprach – „aber nur den Schülern, die Lehrer müssen natürlich kommen!“

Von Horst Richter