Es war einmal

Ehemalige des Scheiner-Gymnasiums mit Jubiläum treffen sich heute und blicken zurück

Von Angelika Donauer

Ingolstadt (DK) Der Austausch von Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit gehört zu einem Klassentreffen wie das Amen In der Kirche. Heute kommen Absolventen des Scheiner-Gymnasiums zusammen, die vor Jahrzehnten Abitur machten. Vier Jubilare erzählen, was sich ihnen besonders eingeprägt hat.

Wenn an diesem Wochenende die frisch gebackenen Abiturienten das Ende ihrer Schulzeit feiern, halten rund 120 Ehemalige des Christoph‑Scheiner-Gymnasiums mit. Zehn, 20, ja bis zu 60 Jahre liegt ihr Abschluss zurück. Woran sie sich spontan erinnern und was aus ihnen geworden ist, darüber berichten vier Absolventen. Dass Lehrer Einfluss auf ihre Schüler haben, wird deutlich. Dass auch der umgekehrte Weg möglich ist, beweist Helmut Würflein. Seine Abiturklasse von 1972 hat ihn zum Umweltschützer gemacht. „Sie war damals schon „grün“, wählte das Thema Naturschutz für die Studientage und hatte unter anderen BN-Vorsitzenden Hubert Weinzierl und Peter Schnell, zu der Zeit MdL, zu Vorträgen eingeladen.“ Würflein war beeindruckt und wurde Mitglied des BN. Das hat sogar auf die nächste Generation abgefärbt: Sohn Christoph leitet das Infozentrum Naturpark Altmühltal, Sohn Michael ist Vorsitzender des ÖDP-Kreisverbands Ingolstadt.

REINHARD ECKL

Er ist mit Abstand der Senior in der Runde. 1952 beendete er seine Schülerlaufbahn. Doch seine Erinnerungen sind frisch, als wären nicht 60, sondern höchstens sechs Jahre vergangen. Eckl kann sich über das heutige Treiben der jungen Leute nur wundern. „Unsere Abiturfeier war ein anderthalbstündiger Fußmarsch zur Rodinghütte bei Vohburg mit unserem Klassleiter Kurt Rugenstein. Dort gab's eine Halbe Bier oder zwei; dann ging's wieder zurück.“ Der Abiturball allerdings war allererste Sahne. Er fand in der Schwabenbräu-Kasematte (heute Eiskeller) statt. „Die Mädels waren fein herausgeputzt, wir Burschen im einzigen Anzug, den wir hatten, und Schlips.“ Eine Jazzkapelle spielte Bebop, Swing und Boogie Woogie. „Und wir tanzten, was das Zeug hielt.“ Reinhard Eckl absolvierte zwei Studien und war als Abteilungspräsident bei der Bahn zuständig für große Einkäufe, etwa den ersten ICE.

WALTER HABER

Aufbruchstimmung herrschte, als Haber 1972 Abitur machte Nachwirkungen der 68er und der APO-Zeit. Die Schüler probten den Aufstand: lange Haare, kollektives Schuleschwänzen aus Protest, Forderung von Raucherecken und unzensierter Schülerzeitung, SMV-Engagement ... Direktor Herbert Madle hielt strikt dagegen. „Er war gefürchtet. Als ich mal mit einem ärmellosen T-Shirt in die Schule kam, schickte er mich zum Umziehen nach Hause.“ Beliebt war Kunstlehrer Pius Eichlinger. „Er hat mit uns dagegen gehalten.“ Walter Haber hat Englisch und Deutsch studiert und die Lehrerlaufbahn einschlagen wollen. Doch nach dem zweiten Staatsexamen war Schluss: lange Wartelisten für die Aufnahme in den Dienst. Haber ist Wirt geworden und hat mit seiner Musik- und Kabarettkneipe „Neue Welt“ seit Jahren Erfolg. „Ich habe den Schritt nie bereut, aber den Lehrer hätte ich schon gerne ausprobiert.“

ALEXANDRA MARTINI

Die Altdeutsche Schreibschrift ist ihr mal zum Verhängnis geworden. In einem Buch hatte Martini sie entdeckt und so viel Gefallen daran gefunden, dass sie sogar ihre Unterrichtsaufzeichnungen damit notierte. Dummerweise haperte es mit dem Lesen der Schrift. „In der nächsten Stunde fragte mich unser Geschichtslehrer Gerhard Krainhöfner prompt aus, und ich konnte nicht spicken, weil ich nichts mehr entziffern konnte.“ Nachhaltig beeindruckt und beeinflusst hat sie auch der Kunsterzieher Anton Käufl: „Er traf sich abends mit uns Schülern im Diagonal im Bürgertreff und sprach unsere Arbeiten ganz ernsthaft durch.“ Nach dem Abitur 1992 hat Alexandra Martini denn auch einen künstlerischen Weg eingeschlagen. Sie studierte Industriedesign in Berlin und ist seit 2006 Professorin für Grundlagen der Gestaltung an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

RALF DIPPOLD

„Sie sollten die Lehrer nach ihren Erinnerungen an mich fragen, ich war sehr lebhaft.“ Das stellte der Abiturient von 1992 auch bei der Klassenfahrt nach Paris unter Beweis. Mit einem Kumpel hatte er sich abgeseilt, zwei Spanierinnen kennengelernt und war erwischt worden. „Wir rechneten damit, nach Hause geschickt zu werden.“ Statt dessen brummte ihnen ihr Französischlehrer Hans Schilcher zehn Spanischstunden auf. „Damit hat er meine Leidenschaft für die lateinamerikanische Kultur geweckt.“ Und den weiteren Lebensweg angestupst: Spanisch als Wahlfach beim BWL-Studium, zwei Auslandssemester in Madrid, dort nach zwei Wochen seine künftige Ehefrau kennengelernt und nach einigen Zwischenstationen vor fünf Jahren der Auftrag, für seine Firma eine Produktion in Brasilien aufzubauen. Von São Paulo ist Ralf Dippold mit Frau und zwei Kindern zum Treffen angereist.