Erinnerungen und Anekdoten bis in die Nacht

Über 2000 Ehemalige, Lehrer und Schüler des Scheiner-Gymnasiums beim Jubiläumsfest

Ingolstadt (DK) Das Christoph-Scheiner-Gymnasium feierte am Wochenende sein 150. Jubiläum mit einem Begegnungsfest, das mehr als 2000 Absolventinnen und Absolventen versammelte. Viele schwelgten bis tief in die Nacht in Erinnerungen und staunten darüber, wie sich ihr Scheiner entwickelt hat.

20 Meter Luftlinie können schwer zu überbrücken sein: Eine halbe Stunde benötigte Professor Gunter Schweiger, bis er vom Eingang des Schulhofs bis zu dem Biertisch gelangt war, an dem sich sein Abiturjahrgang (1972) versammelte. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass so viele auch auf dem Scheiner-Gymnasium waren“, sagte der Präsident der Ingolstädter Fachhochschule, nachdem er zahllose Hände geschüttelt hatte.

In der Tat hieß es immer wieder „Toll, Du bist ja auch da!“. Manche der ehemaligen Schülerinnen und Schüler hatten sich offensichtlich Jahrzehnte nicht mehr gesehen. Andere hingegen leben immer noch in Ingolstadt und wohnen sozusagen Tür an Tür wie Manfred Schuhmann, der SPD-Fraktionschef im Stadtrat. Viele kamen jedoch aus ganz Deutschland und teilweise aus der ganzen Welt, um das 150-jährige Bestehen des Christoph-Scheiner-Gymnasiums (CSG) zu feiern. „Die Erinnerungen sollen im Vordergrund stehen, auch wenn manche vielleicht schrecklich sind“, erläuterte Direktor Peter Bergmann mit Blick auf die Notabitur-Jahrgänge des Zweiten Weltkriegs.

Aha-Erlebnis

Johann Raab aus Nürnberg etwa erlangte 1938 die Hochschulreife und wurde nach dem freiwilligen Arbeitsdienst sofort an die Front geschickt. Als er 1945 zurück in die Schanz kam „hatte ich Abitur und sonst nichts“, erinnerte sich der 89-Jährige, der nach dem Krieg in Nürnberg als Leitender Baudirektor Karriere machte. In der von Lehrer Franz Schlagbauer liebevoll gestalteten Ausstellung zur Geschichte des CSG, die zum Beispiel den Schreibtisch des Direktors aus dem Jahr 1912 zeigt, erkannte Johann Raab auf historischen Fotos viele ehemalige Schüler und Lehrer wieder.

Ein Aha-Erlebnis hatte schließlich auch Marie-Liese Streitwieser, deren Vater Ferdinand Waller Direktor am Scheiner war: „Früher haben meine Eltern im Schulgebäude gewohnt“, erzählte die Abiturientin des Jahres 1961 lachend, „und jetzt werden Führungen durch unser altes Schlafzimmer gemacht.“

Von Michael Stadik