Ein schleichender Prozess

Ingolstadt (mbl) „Mobbing ist ein Thema, das uns alle irgendwie berührt, sei es über die Kinder, die eigene Betroffenheit oder in Erkenntnis über Mobbing“, stellte Schulpsychologe Martin Pohle zu Beginn seines Vortrags in der gut besetzten Aula des Christoph-Scheiner-Gymnasiums fest. Pohle ist selbst Mathematiklehrer, unterrichtete unter anderem fünf Jahre an der Herschelschule.

Er referierte auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Ingolstadt (KEB) und des Elternbeirats speziell zur Mobbingsituation an den Schulen.

Gleich zu Anfang stellte er aber auch klar, dass nicht jede entwicklungsbedingte Rempelei unter Schülern sofort gleichzusetzen sei mit Mobbing: „Man muss sehr genau hinschauen, um den Charakter von Mobbing zu erkennen.“ Beispiele hierfür gab es dann per Videoeinspieler: Zwei Mädchen entreißen einer Mitschülerin das neue Handy, um es dann aufzuziehen – eine Gruppe Jugendlicher bringt sich mit einem heuchlerischen Trick in den Besitz der Mütze eines Mädchens. Damit machte Pohle ein entscheidendes Merkmal schulischen Mobbings deutlich: die Unterlegenheit des Opfers gegenüber einem oder mehreren Tätern. „Ein Machtunterschied ist gegeben, der Konflikt hat sich verfestigt“, so Pohle. Der Konfliktexperte klärte auch darüber auf, dass Mobbing keine akut entstehende Situation sei, sondern ein Prozess, der sich über fünf, sechs Wochen entwickle. Das könne mit Sätzen beginnen wie: „Du kannst aber auch gar nichts!“ Und die würden dann irgendwann wehtun. Für die Täter wiederum schaffe Mobbing ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und diene als Ventil für Aggressionen.

Pohle stellte vor allem aber auch das Stichwort „Cybermobbing“ in den Mittelpunkt seines Vortrags. So seien Auseinandersetzungen im Internet oft mit Mobbing verbunden. Für die Täter sei diese Methode – beispielsweise über soziale Netzwerke wie Facebook – „interessant wegen der vermeintlichen Anonymität“, sagte der Pädagoge. Die Anstifter sollten sich allerdings nicht zu sicher fühlen. Denn absolute Anonymität gebe es auch dort nicht.

Eltern betroffener Kinder riet Pohle zu drei Strategien gegen Mobbing in der Schule. „Sie werden das nicht alleine in den Griff kriegen“, machte er seinen Zuhörern zuvor klar und warnte davor, alleine direkten Kontakt zu den Tätern oder deren Eltern aufzunehmen. Dies könne zu einer Ausweitung des Konfliktes führen. Beim einfachen Streitschlichtungsmodell beispielsweise werde über eine Vertrauensperson mit Täter und Opfer ein Abkommen vereinbart: Dies könne so aussehen, dass beide Parteien sich zukünftig aus dem Weg gehen. Andere Methoden gegen Mobbing seien die „No Blame Approach“-Methode, sowie die aufwendige „Farsta“-Methode, „die“, wie Pohle sagte, „Keule des Mobbingmanagements“.