Dreifaches Hurra am Hartmannplatz

Das Scheiner-Gymnasium feiert gern – diesmal das 100. Jubiläum der Schulhauseinweihung

 

Von Christian Silvester


Ingolstadt (DK) Das Christoph-Scheiner-Gymnasium feiert das Jubiläum „100 Jahre Schule am Hartmannplatz“ mit einem Festakt samt Ehemaligentreffen am Montag, 15. Oktober. Die Feier ist auch ein Zeichen des Danks des Gymnasiums für die Sanierung des historischen Altbaus, betont Direktor Gerhard Maier.

Ausgerechnet die Toiletten! Sie strahlten vor einem Jahr im Lichte der Lokalpolitik. Hans Stachel, FW-Stadtrat und Installateurmeister, brachte sie ins Spiel, als er mit der SPD-Stadträtin und früheren Scheiner-Lehrerin Gudrun Rihl über den Erwerb eines konkreten Kunstwerks debattierte. 83000 Euro für Richard Paul Lohses „Fünfzehn systematische Farbreihen in progressiven Horizontalgruppen“ fand er dann doch etwas zu viel. Und dank welcher Assoziation auch immer fügte Stachel hinzu: 530000 Euro für die Sanierung der Toiletten im Scheiner – diesen Preis halte er ebenfalls für zu hoch.

Doch der Stachelschen Einwürfe ungeachtet lief alles wie geplant: Der Lohse gehört jetzt der Stadt, und die neuen Toiletten im Altbau des Scheiner-Gymnasiums sind bald alle einsatzbereit. Es wurde auch Zeit, denn das stattliche Gebäude am Hartmannplatz wird heuer 100 Jahre alt, und an einigen Stellen war das noch zu erkennen.

Die Komplettsanierung der betagten Toiletten befreite das Haus ebenso vom Ambiente der fünfziger Jahre wie der frische Anstrich für sämtliche Türen und Gänge. An den denkmalgeschützten Stellen kamen sogar Kirchenmaler zum Einsatz. Zudem gab es zwei weitere interaktive Tafeln. Zwei Computerräume – ein neuer und ein bestehender – wurden mit jeweils 32 Rechnern ausgestattet. Gerhard Maier, seit einem Jahr der Chef im Scheiner, versteht das große Fest zum 100. Jubiläum des Altbaus am Hartmannplatz daher auch als Dank an die Stadt für die Investitionen.

Das Geschichtsbewusstsein ist am Scheiner mindestens ebenso ausgeprägt wie der Hang zum Feiern. Das 150. Gründungsjubiläum beging die Schulfamilie im Sommer 2008 derart opulent, dass manche mit sanftem Spott von den „Scheiner-Festspielen“ sprachen. Da der Ursprung des Gymnasiums, die „Niedere Gewerbsschul“, in der Hohen Schule lag und nicht am heutigen Hartmannplatz, verfügt die Schule über zwei Traditionslinien – Gründung und Hausbau –, die sich gut bei runden Jubiläen feiern lassen, was das Scheiner auch gerne tut.

Weil die Gewerbeschule stark wuchs – 1877 firmierte sie schon als Königlich-Bayerische Realschule –, tat am Anfang des 20. Jahrhunderts ein Neubau not. Den bewilligte der Stadtrat 1910 auf dem Gelände des ehemaligen Kavaliers Münzberg und der Fronte Preysing. Das Schulhaus war das prachtvollste der Stadt, weit schöner noch als das 1893 erbaute Humanistische Gymnasium (das heutige Reuchlin), und wurde gezielt als optisches Pendant zum Neuen Schloss in Szene gesetzt. Im Oktober 1912 zogen die ersten 326 Schüler ein.

1913 besuchte der bayerische Prinzregent und spätere König Ludwig III. die Schule, die sich ihm zu Ehren „Königliche Ludwigs-Realschule“ nannte. Nach der Revolution 1918 wurde das „königlich“ wieder gestrichen. 1920 durften die ersten Mädchen (zehn) ins Haus. 1965 wurde die Schule zum Gymnasium befördert und bekam den Namenspatron Christoph Scheiner.

2013 könnte man übrigens das Jubiläum „90 Jahre Aufstockung zur Oberrealschule mit Abiturfähigkeit“ begehen. Ferner: „25 Jahre Freundschaft mit der Schule Nummer 13 in Moskau“. Gut möglich, dass die Vorbereitungen längst laufen. Denn das Scheiner feiert einfach gern.