Dr. Killermanns geschichtsmächtiger Tisch

Ausstellungen im Scheiner-Gymnasium dokumentieren Historie und naturwissenschaftliches Profil

Ingolstadt (DK) Zur Feier seiner 150-jährigen Geschichte hat das Christoph-Scheiner-Gymnasium zwei Ausstellungen eröffnet. „Scheiner und seine Erben“ illustriert das naturwissenschaftliche Profil. Nebenan gibt es Einblicke in die Schulgeschichte.

Die Historisierung schritt rasant voran: Bis 2006 versah der hölzerne Schreibtisch aus der 1912 angelieferten Erstausstattung des Scheiner-Neubaus seinen Dienst im Direktorat, jetzt steht er im Rang eines Museumsstücks. Ein Schulleiter mit dem Ehrfurcht gebietenden Namen Dr. Killermann thronte hier und auch jeder seiner Nachfolger, bis Peter Bergmann, der heutige Scheiner-Chef, einen neuen Tisch bekam. Der alte steht jetzt zwar nicht im Zentrum, aber zumindest in der Mitte der Ausstellung über 150 Jahre Schulgeschichte.

Um ihn herum künden Fotos und Preziosen aus dem Archiv von den guten und den weniger netten Tagen der Schule, die 1858 auf Initiative des Bürgermeisters Matthias Doll für angehende Gewerbetreibende gegründet worden war. Das mit harter Hand geführte Heft voller „Mitteilungen an die Lehrkräfte“ dokumentiert düstere Zeiten, etwa den 5. Juni 1944, als an der Oberrealschule Gasmasken verkauft wurden.

Einige Dokumente im Archiv seien von Granatsplittern gezeichnet, erzählt Claus Schredl, der stellvertretende Schulleiter. „Die Amerikaner haben die Altstadt 1945 von Süden unter Beschuss genommen – dabei hat es auch das Scheiner erwischt.“ Die kriegsversehrten Archivalien fehlen in der Ausstellung, dafür erzählt eine Karte besonders anschaulich von der NS-Zeit. „Abituria 1938“ steht über einer gezeichneten Kreatur, die nach dem Geschmack der Nazis wohl einen „Herrenmenschen“ darstellen soll, darunter das stimmige Motto „Menschheit heißt Kämpfer sein“. Doch die Abiturienten wussten dennoch ein Zeichen der Gedankenfreiheit zu setzen: Der Karte hat keine Hakenkreuze. Darauf, erklärte Peter Bergmann, seien damals alle stolz gewesen.

Der größere Teil der 150-jährigen Schulgeschichte bietet Erfreulicheres – zumindest aus heutiger Sicht, etwa das Zeugnis des Zöglings Thomas Koppenhofer, ausgestellt im Jahre 1867. Mit dem Fach Ornamenten-Zeichnen hatte er so seine Not („mittelmäßig“), dafür war er brav. „Betragen: Vorzüglich“. Koppenhofer war der Urgroßvater von Leo Dietz, der die 9 d des Scheiner besucht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt die Zahl der Exponate mit Nostalgiefaktor. Die Ausstellung zeigt Fotos en masse: Gruppenbilder, Wandertage, Exkursionen, Skikurse, Schulfeste, Abiturstreiche und andere Späße, etwa in den Reihen der besonders lustigen Absolvia 1958, die ihre Bücherabgabe als Aufsehen erregenden Zug durch die Stadt zelebrierte. Die Schau weckt Erinnerungen an so manch Vergessenes wie die Fußballmeisterschaft der Oberschulen 1958 (Scheiner siegt mit 4:2) und an Unvergessene wie Erwin Seus, genannt Zeus, Philosoph und Physiker. Nicht fehlen dürfen Reminiszenzen an die Einweihungen von Erweiterungsbauten, die es in der Ära des Rainer Rupp sehr zahlreich gab. Von dem früheren Direktor stammen alle Zeittafeln, zahlreiche Fotos sowie die Idee für die Ausstellung nebenan, die das naturwissenschaftliche Profil des Scheiner präsentiert.

„Wir wollen unseren Schülern das Gefühl vermitteln: Ihr gehört zu etwas, das Geschichte hat“, sagt die Lehrerin Gabriele Steidle. Alle, die ähnliche Gedanken hegen, können sie in das Gästebuch schreiben, das auf Dr. Killermanns Tisch liegt.