Das süße Geheimnis der Gummibärchen:

Kunstprojekt am Scheiner-Gymnasium

Ingolstadt (DK) Gummibärchen stinken, wenn man sie auf Grillanzündern schmurgelt. Sind aus Gipsformen schlecht rauszukriegen, wenn man sie zu Brei verkocht. Werden transparent wie Föten, wenn man sie in Plätscherwasser hängt. Sie duften mit Vanilleextrakt exakt wie teures Chanel, lassen sich zu Spaghettiträgern nähen und sehen manchmal aus wie Honig. All das erforschten im vergangenen halben Jahr neun junge Leute in der Schule. Das Resultat: „Eine Herausforderung” ist das Gummibärchen, im wahrsten Sinn des Worts.

Denn so -„Eine Herausforderung oder das Gummibärchen” - nannte Dagmar Hummel, Kunsterzieherin am Scheiner-Gymnasium, das originelle Projekt, das sie nun mit ihrem Leistungskurs K 12 in einer Ausstellung in der Schulbibliothek präsentiert. Zu sehen: „Kunst neben Grafik, Malerei und Plastik”, wobei „Kunst” durchaus ernst genommen werden darf. Nur Vorarbeiten für einfallsreiche Werke waren die Experimente, mit denen der neunköpfige Kurs dem Gummibären zu Leibe rückte, tatkräftige Annäherungen an das So-Sein seines Materials.

Inspiriert worden waren Lehrerin und Schüler von der Ausstellung des „Totalkünstlers” Timm Ulrichs in der Theatergalerie. Was moderne Kunst jenseits der traditionellen Genres sein kann, zeigten dort im Herbst Meisterschüler des mittlerweile emeritierten Professors an der Akademie Münster aus über 30 Jahren - eine Schau, die damit, fand Künstlerin und Lüpertz-Schülerin Hummel, bestens in den Lehrplan der 12. Klasse passte. Die löste sich in langen Diskussionen von nahe liegenden Ideen wie Bärchen-Werbung und entwickelte eigene Konzepte. So machten etwa Alexander Rehn, Marco Lindner und Marion Grötting den Gummibären zum geradezu viralen Forschungsgegenstand, bildeten kaltlichtige Labore nach, schufen aussagekräftiges Reagenzglaschaos oder verfremdeten es zu schrägem Untersuchungs- und Bildermaterial. Ein Gemeinschafts-Videoprojekt zeigt Schülermünder beim aufschlussreichen Gummibären-Kauen, Parfümflacons irritieren mit falschen Düften zu falschen Bären-Farben oder ein gemalter Popeye reicht („I yam what I yam”) mit dreidimensionaler Hand grüne Bärchen statt Spinat aus dem Format. Originell: Der Beitrag von Lu Yu, die aus Gummibären und deren Tüten ein tragbares Cocktailkleid nähte. Natürlich nimmt die Schau auch Raumbezug auf die Stadtmauerbibliothek - und natürlich ist auch Lehrerin Hummel mit einer Installation („G.s große Reise”) dabei. Wer junge Kunst unter engagierter Anleitung sehen will: Ins Scheiner-Gymnasium!

Karin Derstroff