Da strahlen selbst die Sonnenflecken

Das Christoph-Scheiner-Gymnasium feierte „100 Jahre Schule am Hartmannplatz“

Von Christian Silvester

Ingolstadt (DK) Vor 100 Jahren zog die Gewerbeschule aus ihrem Behelfsquartier in der Hohen Schule in einen schmucken Neubau am früheren Ingolstädter Hafen. Das Haus wurde zur Realschule, zur Oberrealschule und dann zum Christoph-Scheiner-Gymnasium. Am Montag hat es das Jubiläum groß gefeiert.

 

Die alte Turnhalle des Gymnasiums, merken Spötter gern an, habe sich seit der Kaiserzeit kaum verändert – bis auf die Basketballkörbe. Somit war ein historisch angemessener Rahmen für das Jubiläum „100 Jahre Schule am Hartmannplatz“ gegeben. Das Gymnasium bot einen klassischen Festkommers – mit Ausnahme des Auftakts. Claus Schredl, der Stellvertreter des Schulleiters, brachte eine Ode an Christoph Scheiner dar. Der Patron des Gymnasiums hat sich im 16. Jahrhundert als Entdecker der Sonnenflecken hervorgetan. Vier Schülerinnen, als frühneuzeitliche Gelehrte verkleidet, hievten auch gleich ein paar davon herein. Die Bastel-Fleißarbeit glänzte im Scheinwerferlicht, derweil Schredl an die „vielen Geschichten von Menschen“ erinnerte, „die den Steinen dieses Gebäudes Leben eingehaucht haben“.

Zahlreiche Absolventen der traditionsbewussten Lehranstalt waren der Einladung gefolgt. Darunter drei Gäste von historischem Rang: Egmar Gäßler, dessen Vater 1912 im neuen Schulgebäude zu den Sextanern gehörte, sowie der Sohn und der Enkel des damaligen Direktors Anton Killermann: Walter Killermann lebt in Eichstätt und hat dort als stellvertretender Leiter des Willibald-Gymnasiums amtiert. Sein Sohn, Monsignore Stefan Killermann, wirkt als Domkapitular.

OB Alfred Lehmann gestand, „dass einem auch despektierliche Gedanken durch den Kopf gehen“, denn: „Wir feiern heute das 100-Jährige eines Schulhauses, während wir eine andere Schule abreißen, die erst 40 Jahre alt ist.“ Und mit Blick auf den Leiter des städtischen Hochbauamts schob der OB hinterher: „Ich hoffe nicht, dass meine Nachfolger in 40 Jahren das Schulzentrum Südwest erneut abreißen müssen, weil das, was Sie heute bauen, Herr Nißl, schon wieder baufällig ist.“ An der Stelle brandete betretenes Gelächter auf, mit einigem „Ho, ho, ho!“ So viel zu den despektierlichen Gedanken. Nach einem mit Beifall bedachten Seitenhieb auf die zeitgenössische Architektur ging Lehmann zum Lob des Lehrerstandes über.

Marion Schiller, die Elternbeiratsvorsitzende, dankte der Stadt für die Sanierung des Altbaus, die ein Anlass für die Feier gewesen ist. In Zukunft wäre es allerdings erfreulich, wenn der schöne Haupteingang am Hartmannplatz „nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wird“.

Günter Menig, der Vorsitzende des Freundeskreises, wies in seiner launigen Rede darauf hin, dass mit der Sanierung der Toiletten „ein anrüchiges Problem gelöst wurde“ und man somit an diesem Abend auch eine Neueröffnung feiere. Menig ließ Reminiszenzen an seine eigene Schulzeit folgen, etwa die Begebenheit, als ihn ein Lehrer zum Klassensprecher „auserkor“. Die Wahl sei dann „eine reine Formsache“ gewesen. „Die Demokratie steckte 1959 halt noch in den Kinderschuhen.“

Demokratische Willensbildung auf der Höhe der Zeit praktizierte dagegen der Direktor des Scheiner-Gymnasiums. Gerhard Maier nutzte die Präsenz der versammelten städtischen Sachaufwandsträger in Reihe eins, um freundlich, aber bestimmt mit bestem Dank für das Geleistete dennoch ein paar Wünsche anzumelden, „verwegene Träume“, wie er es nannte. Etwa eine multifunktionale Aula in der alten Turnhalle (viel Applaus), weswegen man dann natürlich eine weitere Sportanlage brauche (noch stärkerer Applaus). Da lächelte Lehmann tapfer, und Hochbauamtsleiter Gabriel Nißl vermutlich auch.