Cool sein mit Klassikern

Ingolstadt (DK) Es herrscht Hochbetrieb in der Aula der Hauptschule an der Herschelstraße. Schülerinnen und Schüler aus dem Christoph-Schreiner-Gymnasium, der Hauptschule an der Lessingstraße und an der Herschelstraße sowie der Gnadenthal-Mädchenrealschule stehen quatschend in Grüppchen beieinander, rutschen unruhig auf den Stühlen hin und her oder laufen quasselnd durch den Raum.

Alle sind gekommen, um mehr über das Tanz-Theater-Projekt "Elektras Traum" zu erfahren, das Projektleiterin Gudrun Rihl von der Stiftung "Jugend fragt", Choreografin Susan Oswell und Regisseurin Ingrid Cannonier vorstellten. Am Ende hatten die jungen Leute einen Eindruck davon, wie viel Arbeit auf sie zukommen wird, aber "wie das Stück am Ende aussehen wird, was am 15., 16. und 17. Juli in der Viehmarkthalle passieren wird, kann man jetzt noch gar nicht sagen. Es ist ein großes Abenteuer", meinte Choreografin Susan Oswell, die im vergangenen Jahr schon das Projekt "Romeo und Julia" betreute und diesmal sogar selbst mitwirken will. Sie wird die Rolle der Klytämnestra, Elektras Mutter, tanzen.

Regisseurin Ingrid Cannonier will den antiken Stoff, die "Gruselgeschichte aus der Antike", in die heutige Zeit übersetzen. Es geht um eine Familie, die Eltern sind geschieden, "der Vater ist weg, und die Mutter hat einen neuen Lover", fasst Cannonier knapp zusammen. Der jüngste Bruder, in der antiken Vorlage Orest, verlässt das Haus, eine Schwester, die antike Chrysothemis, arrangiert sich mit der Situation, "mag den neuen Mann auch nicht sonderlich". Aber die andere Schwester, Elektra, "kommt überhaupt nicht klar und hat eines Nachts einen Traum – Elektras Traum", so schildert Cannonier kurz den Inhalt.

Großes Interesse

Rund 75 Schüler und Schülerinnen hätten schon Interesse am Projekt gezeigt, freut sich Monika Müller-Braun, Vorsitzende der Stiftung "Jugend fragt". Nicht abschrecken von den angedrohten zahlreichen Proben, die nach den Weihnachtsferien beginnen sollen, und der manchmal strengen Führung von Susan Oswell ließ sich etwa die 13-jährige Anelise Coroiu. "Meine Schwester war bei ,Romeo und Julia‘ dabei. Ich spiele auch Theater und will jetzt hier mitmachen, meine Eltern wissen schon Bescheid", erzählt sie strahlend. Ihre Freundin Sandra Schmidl, die spanische Wurzeln hat, nimmt sie gleich mit. "Ich hab schon als Kind Theater gespielt und habe großen Spaß daran. Außerdem tanze ich supergerne und eigentlich alle Stile", bekräftigt die 14-Jährige.

Einige der Schüler haben bereits im vergangenen Jahr bei "Romeo und Julia" mitgewirkt. Rihana zum Beispiel: "Mich fasziniert die andere Musik, das ist kein Hip-Hop oder was wir sonst so hören. Die Musik war eigentlich das Coolste und dann noch die vielen verschiedenen Leute auch aus den anderen Schulen." Dass Tanz nicht nur Mädchensache ist, beweisen die Jungs in der Aula. Unter ihnen Nikolai, der ebenfalls schon in "Romeo und Julia" Erfahrungen gesammelt hat. "Ich mach’ seit vier Jahren intensiv Breakdance, das kann man da auch einbringen. Vor dem Auftritt war ich schon nervös, aber es hat sich gelohnt."

Cool sein mit Klassikern, das ist ein Ziel des Projekts. "Wir wollen junge Menschen aus verschiedenen Milieus – viele haben das, was man Migrationshintergrund nennt – mit der Hochkultur bekannt machen, sie sozial und kulturell integrieren", formuliert es Stadträtin Gudrun Rihl. Altes und Modernes soll in "Elektras Traum" eine "ganz schöne Gegenüberstellung finden".

Eines nämlich weiß Susan Oswell schon: "Ich möchte Sätze aus den ,Vier Jahreszeiten‘ von Vivaldi mit extrem moderner Streichmusik kombinieren, gespielt vom Georgischen Kammerorchester. Ansonsten wird es viele stumme Szenen geben, vielleicht auch mal Gesang. Aber ich weiß es noch nicht . . ."

Von Ines Koreck