Begeisterung für Musik springt aufs Publikum über

Schulkonzert des Scheiner-Gymnasiums im Theaterfestsaal / Palette reicht von Spätrenaissance bis zu Funk

Ingolstadt (DK) Sie lieben Jazz. Natürlich heißt das nicht, dass sie nur Jazz im klassischen Sinne gemacht haben. Im Gegenteil, die musikalische Palette reichte von Renaissancemusik über Tango bis zu Popballaden und Funk. Aber die Freude am Rhythmus, an der Bewegung in der Musik, am Impulsiven und daran, unverkrampft einfach daraufloszuspielen - diese im eigentlichen Sinne jazzigen Musiktugenden sind eine Eigenschaft der Schülerinnen und Schüler des Christoph-Scheiner-Gymnasiums: Sie machen Musik aus Begeisterung und nicht, weil sie müssen. Beim Schulkonzert im Festsaal des Theaters am vergangenen Montagabend sprang diese Begeisterung unverfälscht auf das Publikum über.

Zunächst präsentierte sich das Blechbläserquintett (Leitung: Beate Hacker) mit einer Sonate der Spätrenaissance (Anonym) als „Bänkelsänger”, um dann mit einer Beatles-Bearbeitung symbolisch „Good Day Sunshine” zu wünschen. Ins Ohr fielen die solistischen Künste von Johannes Wallner (Trompete, K12), der auch beim Jazz mit gekonnten Improvisationen hervortrat.

Ein Kammerorchester unter der Leitung von Georg Hanauska spielte den Tango „El Choclo”“ (Angel Gregorio Villoldo). Besonders eindrucksvoll gelangen die modernen Streichorchestereffekte in „Bassbiss” (Joachim Reise), ein rockiges Streicherstück: schonungslos kraftvoll, etwas eckig und auch schräg.

Ein siebenköpfiges Gitarrenensemble (Leitung: Hanauska) machte mit dem Medley „Summertime Jazz, Just a Jazzy Waltz, Summertime“” einen selten gehörten Aspekt des sonst solistisch gespielten Zupfinstruments hörbar: die raumfüllende Präsenz des Gitarrentons, wenn mehrere Gitarren gleichzeitig spielen. Der jüngste Musiker der Gruppe, Moritz Schneider (6. Klasse), war das Geburtstagskind des Tages.

Der Unterstufenchor (Leitung: Christine Roß) sang ein vergnügtes „Stand by me” und ansprechend „California Dreamin”, begleitet von Bernhard Schlagbauer (Saxophon, K12) und Matthias Kozuschek (Klavier, K12). Auch von Christine Roß einstudiert waren die teils slawischen, teils bayerisch-böhmischen Volksmusiken, die in reichhaltiger Besetzung (zwei Geigen, zwei Klarinetten, zwei Akkordeons, Bariton, Hackbrett, Keyboard, Schlagzeug, verzerrte Elektrogitarre, Klavier) das Publikum zum Mitklatschen animierte. Bei „Hiatamadl” glaubte man fast, Hubert von Goisern zu hören. Eine Perkussions-Gruppe faszinierte mit „Afrikanischen Klängen”: Hier baute sich schichtweise ein komplexer Rhythmus auf, um stets auf dem Höhepunkt abzubrechen und neu anzusetzen. Das erzielte eine ungeheuer suggestive Kraft.

Der dann mit „The Rose” (Amanda McBroom) die Bühne erobernde Grundkurs Chor (Leitung: Beate Hacker) ist zwar nicht groß (vier Sängerinnen, zwei Sänger), leistet aber Großes - denn diese Schülerinnen und Schüler singen äußerst gefühlvoll: Der Hörgenuss entspringt daraus, dass sie es selbst genießen, gemeinsam so schön zu singen. Der Mittel-und Oberstufenchor sang - stil- und rhythmussicherer Schlagzeuger: Janniz Borchardt (11. Klasse), später auch solistisch - mit teilweise professionellem Ausdruck einen Ausschnitt aus „Little Shop of Horror” (Howard Ashman) und die Dixie Band fesselte mit dem Evergreen „Sweet Georgia Brown” und Duke Ellingtons „It Don‘t Mean A Thing”. Neben schon genannten Solisten beeindruckten hier Fabian Gruber (Klarinette, 11. Klasse), Thomas Rieger (Posaune, K13), Wolfgang Schneider (11. Klasse), Bernhard Schlagbauer (K12, diesmal Klavier) und Stephan Krauter (Saxophon, K13). Johannes Niebler (K13) steuerte Banjoklänge bei.

Eine Funk-Combo spielte „Sunny” und „Let‘s play that funkymusic” groovig und astrein. Ein echter Blues-Rock gelang der Rock Band mit den ehrgeizigen Sängerinnen Stefanie Busch (11. Klasse) und Anna Hocks (K13): „Walking by myself”, neben „Complicated” und „Living an a prayer”. Dann legte die Big Band los mit „A Night in Tunisia”, einem unglaublich fetzigen „Street Life” und der gelungen interpretierten Titelmelodie von „Hawaii Five-O”.

Die Formationstanzgruppe „Formotion”, die unter Leitung von Heidi Röll und Gerhard März seit mehr als sechs Jahren wöchentlich trainiert, trat zu afroeuropäischem Ethnopop auf. Hier begeisterten Hochradfahrer, Stelzenläufer und Tänzerinnen durch Wendigkeit, Geschicklichkeit und ausgetüftelte Choreographie.

Ein tolles, bewegungsreiches Schülerkonzert, bei dem angenehm auffiel, dass sich die Lehrer dezent im Hintergrund hielten und an keiner Stelle den Schülern die Show stehlen wollten. Denn vor solchen Schülerinnen und Schülern muss man wirklich Respekt haben.

Sebastian Ullrich