Akrobatische Großfamilie

Ingolstadt (DK) Was ist an Ingolstädter Schulen noch über den Unterricht hinaus los? Wo engagieren sich Schüler? Der DONAUKURIER war auch im Christoph-Scheiner-Gymnasium, dessen Cheerleading-Gruppe inzwischen stadtbekannt ist.

Was alles aus einem Projekttag entstehen kann: Da kamen sie am Scheiner-Gymnasium vor vier Jahren auf die Idee, einen Kurs Cheerleading zu machen. Mit weißen T-Shirts und Jeans-Röcken trat die Gruppe dann beim Schulfest auf. Inzwischen sieht das so aus: Die "Mighty Dragons" der Schule sind stadtbekannt und nehmen in ihren rot-schwarzen Profikostümen beispielsweise auf der miba die Bühne in Beschlag, sie heizen beim Tuja-Cup in der Saturn-Arena das Publikum an oder gestalten wie zuletzt den großen Festakt des MTV mit.

Was Cheerleading ist? "Cheer" heißt anfeuern, "Leader" ist der Anführer. Die Mischung aus Anfeuern und Akrobatik stammt natürlich aus den USA. Dort hat auch die Sportlehrerin Gertrud Zinck neun Jahre lang gelebt, bevor sie ans Scheiner-Gymnasium gekommen ist, im Jahr des Projekttages eben. Seitdem betreut sie die Gruppe. "Ein bemerkenswertes Engagement" hätten die Schüler seitdem gezeigt, sagt Zinck. "Wahnsinn."

Martin Schmidt und Kathleen Michl können das nur bestätigen. Die beiden 18-Jährigen sind so etwas wie die Köpfe der Cheerleader. Martin ist Chef der Akrobaten, Kathleen erstellt mit der gleichaltrigen Christina Selenzow die wechselnden Tanzchoreografien . "Wir machen alles in eigener Arbeit", sagen sie. Nichts werde ihnen – von wem auch immer – vorgegeben. Besonders weil sie so das Projekt selbst gestalten, sei der Zusammenhalt gewaltig. "Wir sind eine große Familie geworden", sagt Kathleen.

Neben Lehrerin Gertrud Zinck gehören rund 30 Schüler von der siebten bis zur K12 inzwischen dazu, an Nachwuchs mangelt es nicht. Sie alle opfern viele Stunden ihrer Freizeit. "Das frisst schon viel Zeit", sagt Martin, "besonders vor Auftritten." Dann kommt die Gruppe auch am Wochenende oder in den Ferien in die Turnhalle und studiert die neuesten Elemente der Choreografie ein. Eine dreistöckige Menschenpyramide haben die "Mighty Dragons" inzwischen drauf.

" Von uns ist aber keiner gefährdet", sagt Martin doppeldeutig. Einerseits meint er damit die Noten im Unterricht, wo alle trotz des intensiven Engagements keine Probleme hätten, andererseits auch die teils waghalsige Show seiner Akrobaten . "Wir müssen eben viel proben, damit alles sicher ist. Wir sind ja alle Amateure."

Auch wenn die Gruppe vielleicht am Anfang etwas argwöhnisch beäugt wurde in der Schule, inzwischen genieße man von allen Seiten volle Unterstützung, sagt Trudi Zinck. Schließlich ist die Showtruppe ja auch eine sehr guter Botschafter in des Gymnasiums.

Und praktisch jeder kann sie engagieren. Dann kommen die Schüler auch mal zu einer privaten Geburtstagsfeier. Martin: "Es ist einfach unser Hobby in der Freizeit, so wie andere eben Tennis spielen."