Ärger über Zigarettenwerbung nahe Schulen

Direktor nennt Gauloises-Spruch an Wartehäuschen kontraproduktiv

Ingolstadt (sag) Nicht wegschauen, sondern mitdenken und gegebenenfalls handeln - genau das tat jetzt eine aufmerksame Bürgerin. Dank ihres Hinweises beim Donaukurier und des Engagements eines Schulleiters hat die Verteilerfirma einer Zigarettenwerbung telefonisch zugesagt, eine missverständliche Plakatwerbung umgehend zu entfernen.

Rauchen schadet, sagt man. Es gibt sogar Verfechter des Nichtrauchens, die behaupten, dass Rauchen tötet. Entsprechendes ist auf Zigarettenschachteln zu lesen, die natürlich auch Jugendliche in die Hand bekommen. Wenn - wie in diesen Tagen - eine übergroße Gauloises-Werbung in INVG-Haltestellen-Häuschen in unmittelbarer Nähe von Schulen hängt, dann nennen Leute wie Oberstudiendirektor Peter Bergmann vom Christoph-Scheiner-Gymnasium (CSG) ein solches Vorgehen schlichtweg „kontraproduktiv”.

Der Gauloises-Werbespruch lautet wortwörtlich: „Immer wenn ich den Bus verpassen will, drehe ich mir eine.” Die Plakate hängen unter anderem gegenüber der Bushaltestelle in der Jahnstraße - in allernächster Nähe zum CSG - als auch im Wartehäuschen selber an der Haltestelle des Schulzentrums Südwest. Auf dem Plakat ist zusätzlich scherenschnittartig eine jugendliche Person abgebildet, mit angezogenen Knien, die Füße gegen ein Möbelstück gepresst, welches auch weniger Fantasiebegabte als Schülerpult deuten können.

Nach Auskunft des INVG-Gechäftsstellenleiters Hans-Jürgen Binner werden diese Wartehäuschen von der Firma Wall mit Sitz in Berlin gestaltet. Wall stellt die Wartehäuschen nach einem Vertrag von 1992 kostenlos zur Verfügung und bekommt laut Binner im Gegenzug von der jeweiligen Stadt das Recht, dort zu werben. Wirtschaftswerbung sei damit „im weitesten Sinn” zugelassen. Die Firma habe sich zwar „freiwillig bereit erklärt”, auf sexistische Werbung sowie auf Alkohol- und Tabakwerbung „so weit wie möglich” zu verzichten und bei den Schulen Zurückhaltung zu üben, „aber das lässt sich nicht immer durchhalten”, so Binner. Im Grundsatz sei allerdings auch diese aktuelle Werbung durch den Vertrag abgedeckt.

„Mit dieser Werbung bin ich natürlich nicht glücklich”, erklärte hierzu Oberstudiendirektor Walter Schäfer vom ApianGymnasium (Schulzentrum Südwest). Auch sei er nicht dafür, dass im näheren Umfeld zur Schule ein Zigarettenautomat hänge. Als Schulleiter habe er auf solche Dinge aber leider keinen Einfluss.

Das sei „natürlich eine großartige Motivation”, meinte der Schulleiter des CSG gestern im Telefonat sarkastisch, zumal an seiner Schule seit dem 1. August ein absolutes Rauchverbot für Schüler wie für Lehrer besteht. Er sieht in dieser Gauloises-Werbebotschaft zweierlei Zündstoff: Zum einen bekomme der Schüler den Impuls, er könne ja die erste Stunde ruhig verpassen und erst zur zweiten Schulstunde kommen. Zum zweiten, „immer wenn ich als Schüler schwänzen will, dann drehe ich mir eine”, das heißt der Schüler werde animiert zum Rauchen.

Er habe im CSG bereits mehrere Verhandlungen mit den Sprechern der Jahrgangsstufen zwölf und 13 wegen des Rauches geführt. „Dort haben wir schon eine gewisse Einsicht und Vernunft dahingehend bemerkt, dass eine Art moralische Bannmeile um die Schule herum gezogen werden muss”, berichtete er. Dies versuche man dann auch zu kontrollieren, aber rein rechtlich sei ein Verweis 50 Meter vom Schulgelände entfernt nun mal nicht möglich.

Dennoch hängte sich der CSG-Schulleiter ans Telefon und erfuhr im Gespräch mit dem in Süddeutschland Verantwortlichen für diese Plakatverteilung, dass es dazu eine private Vereinbarung in der Industrie gebe, wonach in einem Umkreis von bis zu 300 Metern von Schulen „solche Plakate nicht hängen dürfen”. Die Firma versprach sofort zu reagieren: Man werde dafür sorgen, dass diese Plakate an solchen Plätzen in Ingolstadt entfernt würden, hieß es dazu gestern.